Kann man auch ohne Kirche Christ sein?

Kirche

Jesus hat nie eine Kirche gegründet. Wozu braucht es eigentlich Kirchen oder christliche Gemeinden? Kann man auch ohne Kirche Christ sein?

"Gemeinde" - was ist das denn nun eigentlich? Ein Gebäude? Oder steckt dahinter die Gesamtheit aller Christen auf der Welt? Natürlich bezeichnet der Begriff sowohl die weltweite Gemeinschaft aller Christen als auch den Ort, wo sich Menschen zusammenfinden, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Aber vor allem ist "Gemeinde" eine ortsansässige Gemeinschaft von Christen, die sich regelmässig trifft.

Gott ist anwesend

Was macht dieses Zusammensein aus? Ist es ein Treffen guter Freunde, die über alles reden können? - Die Treffen von Christen haben manchmal einiges von diesem Charakter und doch sind sie viel mehr. Christen gehen nicht nur in die Gemeinde, weil ihnen die Menschen dort sympathisch sind, sondern weil sie alle an Jesus, Gottes Sohn, glauben. Und das Besondere an dieser Gemeinschaft ist, dass Gott selbst dort anwesend ist. Denn Jesus versicherte seinen Nachfolgern, dass er gegenwärtig ist, wenn sich zwei oder drei Menschen in seinem Namen versammeln (nachzulesen in der Bibel, Matthäus, Kapitel 18, Vers 20).

Spiritueller Tempel

Ausserdem hat jeder Mensch, der an Jesus Christus als seinen Erlöser glaubt, Gottes Geist geschenkt bekommen. Gott lebt nun in diesen Menschen. Sie sind der Wohnort seines Geistes (1.Korinther, Kapitel 6, Vers 19). Damit ist Gemeinde nicht nur ein Gotteshaus aus Stein, sondern ein spiritueller Tempel, ein geistliches Gebäude, in dem Gott wohnt. Wenn sich also Menschen im Namen von Jesus Christus versammeln, ist er bei ihnen, mitten unter ihnen. Diese Anwesenheit und Kraft Gottes zeigt sich auch am liebevollen Umgang der Christen miteinander. An dieser Liebe, so sagt Jesus, sollen andere Menschen wiederum erkennen, dass Christen ihm nachfolgen.

Gottes Gegenwart spüren

Von der ersten christlichen Gemeinde heisst es sogar, dass ihre Gläubigen ständig beieinander waren und allen Besitz teilten (Apostelgeschichte, Kapitel 2, Verse 44-45). Dazu genoss diese Gemeinschaft ein hohes Ansehen beim Volk und täglich kamen neue Leute hinzu. Gottes Gegenwart muss dort enorm spürbar gewesen sein - und da Gottes Gegenwart durch geistliche Gemeinschaft besonders spürbar ist, treffen sich seitdem Christen und bilden Gemeinden. Manche haben sich sogar in Kommunitäten zusammengeschlossen, um gemeinsam zu leben und Gott so noch intensiver zu erfahren, quasi die Urgemeinde nachzubilden.

Für die Gemeinschaft geschaffen

Jesus liebt die Gemeinde - das sagt die Bibel. Und um die enge Beziehung zwischen dem Gottessohn und der Gemeinde zu beschreiben, benutzt Paulus in seinem Brief an die Epheser (Kapitel 5, Vers 25) sogar das Bild der Ehe. So bedingungslos, ausschliesslich und so machtvoll ist diese Verbundenheit. Aber kann man sein Leben als Christ nicht auch unabhängig von einer christlichen Gemeinschaft führen? Schliesslich wohnt Gott durch seinen Geist doch auch in der Person selbst. Sicher, man kann es probieren, aber Gott hat den Menschen für die Gemeinschaft geschaffen, weil er selbst in sich Gemeinschaft hat - aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Gott will gar nicht, dass wir es alleine schaffen. Er will, dass Christen sich gegenseitig lieben und tragen. Es ist leicht, den Nächsten zu lieben, wenn ich ihn nicht vor mir habe. In der Gemeinschaft der Christen hingegen wird Gottes Kraft deutlich, weil sich grundverschiedene Menschen auch ohne gegenseitige Sympathie lieben können. Aus diesem Grund sind gemeinsames Gebet, Singen und Hören auf Gott so gesegnet. Somit ist auch die persönliche Stille Zeit vor Gott kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Ein Christ sollte sich daher nicht einigeln. Gott möchte vielmehr, dass seine Kinder Gemeinschaft miteinander suchen und feiern.

Autor: Wilhelm Schneider

Datum: 19.02.2008
Quelle: Neues Leben

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