«Das Paradies war meine Hölle»

Wycliffe antwortet auf Anschuldigungen

Missionare in Bolivien sollen Christina Krüsi während fünf Jahren missbraucht haben. Ihre geraubte Kindheit verarbeitet sie nun im Buch «Mein Paradies war die Hölle». Die «Wycliffe»-Bibelübersetzer hatten die Schweizer Familie ausgesendet. In einer Stellungnahme berichtet Wycliffe, dass beim Bekanntwerden der Tragödie umgehend reagiert wurde.
Trauriges Mädchen

Christina Krüsi (heute 45), war sechs Jahre alt, als ihr die Kindheit genommen wurde. Während fünf Jahren sei sie regelmässig von Missionaren vergewaltigt worden. Christina berichtet im «Blick», wie es zu Halloween das erste Mal geschah: «Ein unbeschreiblicher Schmerz fuhr mir zwischen die Beine, und etwas drohte mich innerlich zu zerreissen. Mir wurde schwarz vor den Augen.»

Immer wieder hätten sich pädophile Missionare an ihr und weiteren Kindern vergangen. Es habe kein Entkommen gegeben. Ihre Eltern übersetzten die Bibel für die Missionsgesellschaft Wycliffe in die Sprache der Chiquitano-Indianer. Christina war elfjährig, als die Familie in die Schweiz zurückkehrte; ihr Martyrium ging damit zu Ende.

«Zutiefst betrübt»

Immer wieder wurde Christina von Albträumen und Flashbacks gequält. Bis sie im Erwachsenenalter zusammenbricht. Im Alter von 35 Jahren bricht sie aus, macht bekannt, was passiert war und beginnt, das Trauma zu verarbeiten. Sie will «endlich ein normales Leben führen.»

Hannes Wiesmann, Leiter von Wycliffe Schweiz schreibt in einer Stellungnahme: «Wir bestätigen, dass unsere Partnerorganisation in Bolivien eine Schule betrieben hat, und dass dort Ende der 1970er-Jahre sexuelle Übergriffe an Minderjährigen stattgefunden haben. Auch Christina Krüsi wurde ein Opfer davon. Wir sind zutiefst betrübt über dem, was ihr und ihrer ganzen Familie dadurch an Ungerechtigkeit und Leid widerfahren ist.»

Untersuchung eingeleitet

Als diese Ereignisse anfangs 2003 bekannt wurden, wurde sofort eine umfassende Untersuchung eingeleitet, in der alle direkt und indirekt Betroffenen einbezogen waren. Diese Arbeit sei in den USA geleistet worden. Wiesmann: «Wir bedauern zutiefst, dass es eine solche Geschichte zu erzählen gibt. Das Anliegen der Prävention und der Opferhilfe unterstützen wir sehr.»

Das Bekanntwerden dieser Übergriffe führte bei Wycliffe Schweiz und ihren Partnerorganisationen zur Ausarbeitung von strengen Massnahmen und Richtlinien zum Schutz von Kindern. In der Schweiz stand Wycliffe die Fachstelle «mira» bei der Erarbeitung beratend zur Seite. International engagierte sich Wycliffe bei der Gründung des «Child Safety and Protection Network».

Datum: 03.07.2013
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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