Tearfund-Projekt

Obdachlos für eine Nacht

Mit dem Projekt «Nacht ohne Dach» erleben Jugendliche, was es heisst, wenn man kein festes Dach über dem Kopf hat. Der Tearfund-Verantwortliche zum Ziel: «Wenn Teenager beginnen, sich für Menschen in Armut zu engagieren, dann ist das Ziel erreicht.»
Beim Projekt «Nacht ohne Dach» müssen sich Kinder einen Schlafplatz bauen.
Nacht ohne Dach

Vor dem Einkaufszentrum von Effretikon im Kanton Zürich lag am Samstag ein Stapel Umzugskartons. Etwa 20 Teenager der reformierten Kirchgemeinde bauten daraus Karton-Hütten und verbrachten darin die Nacht – mitten auf dem Marktplatz zwischen Migros und Coop. Es habe einige Anläufe gebraucht, die Genehmigung dafür zu bekommen, berichtet Jugendleiter Christian Enderli.

Schlafplatz aus Recyclingmaterial

Hintergrund dieser ungewöhnlichen Aktion ist ein Projekt der Hilfsorganisation Tearfund, das sich «Nacht ohne Dach» nennt. Jugendliche sollen sensibilisiert werden, für das, was für Millionen Gleichaltriger rund um die Welt trauriger Alltag ist: Ein Leben ohne festes Dach über dem Kopf. Nur durch dünne Kartonwände von Wind, Wetter und Lärm geschützt. Projektleiter Benjamin Zurbrügg ist überzeugt von dem Konzept, das in Holland bereits erfolgreich umgesetzt  wurde: «Über das eigene Erleben wird den Teenagern das Thema der weltweiten Armut näher gebracht.»

Armut an eigenem Leib erfahren

Mitmachen können Jugend- und Teenagergruppen. Wie sie die «Nacht ohne Dach» gestalten, ist weitgehend ihnen selbst überlassen. Tearfund stellt Werbematerial, Ideen und einen Regieplan zur Verfügung. Bedingung ist lediglich, dass die Teilnehmer die Nacht in einem selbstgebauten Schlafplatz verbringen, möglichst aus Recyclingmaterial. Ein Mitarbeiter von Tearfund kommt vorbei und bringt ihnen das Thema Armut näher. Die jungen Teilnehmer gehen dann, bevor sie die Nacht als Obdachloser verbringen, auf Sponsorensuche für ein Hilfsprojekt im Slum von Huaycan in Peru. Die Sensibilisierung sei das Hauptziel des Projekts, das sich noch in einer Pilotphase befindet. Das Anliegen von Benjamin Zurbrügg ist es, dass die Jugendlichen ein ganzheitliches Christsein kennenlernen. «Wenn die Teenager beginnen, sich für Menschen in Armut aufgrund des Evangeliums zu engagieren, dann ist das Ziel von 'Nacht ohne Dach' erreicht.»

Froh für das eigene Bett

Und wie haben die Teenager in Effretikon die Nacht erlebt? Teilnehmer Loris gibt am nächsten Morgen zu Protokoll: «Ich fand es cool, mal in einem Haus aus solchem Material zu schlafen. Ich kann die Menschen jetzt besser verstehen. Länger so zu schlafen, könnte ich mir aber nicht vorstellen, eine Nacht war schon sehr anstrengend.» Und Flavia ergänzt: «Ich bin froh, habe ich mein eigenes Bett.»

Datum: 26.09.2014
Autor: Christof Bauernfeind
Quelle: idea Spektrum

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