Gamechanger im Gefängnis

«Wer Strasse ändern will, muss hier drinnen beginnen»

Als Ahmad Anderson, ein Insasse des «Jefferson City Correctional Center» (JCCC), sich zum ersten Mal für das Programm «Freedom on the Inside» der Universität Hannibal-LaGrange anmeldete, wollte er noch nichts mit dem Christentum zu tun haben.
Ahmad Anderson
Rodrick Sweet, Leiter von «Freedom on the Inside»

«Als ich hier ankam, war Ahmed sehr gegen das Christentum eingestellt», erinnert sich Rodrick Sweet, Leiter von «Freedom on the Inside». «Doch mit der Zeit kam Anderson zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Er fing an, Fragen zu stellen und ich versuchte, ihm Antworten zu geben.»

Und dann überhäuften ihn andere Mitgefangene, die Christen geworden waren, mit Fragen und forderten ihn heraus, sich seinen Einwänden und Zweifeln zu stellen.» Daraufhin betete er vor ein paar Wochen in Rodrick Sweets Büro und lud Jesus Christus in sein Leben ein.

Grosser Herzens-Umbruch

In einem Video, das von der «Missouri Baptist Convention» produziert wurde, spricht Ahmed Anderson über den Wert des Programms der Universität. Hannibal-LaGrange ist Mitglied des Baptistenbundes von Missouri. Ahmed Anderson: «Wenn man draussen auf der Strasse etwas verändern will, muss man hier drinnen anfangen.»

Das Programm bietet jenen, die es durchlaufen, sogar die Möglichkeit, einen Bachelor in Christlichen Studien abzuschliessen. Die Absolventen des Programms werden im Gegenzug zu Seelsorgern und helfen dabei, die Liebe und Hoffnung Christi im gesamten Gefängnissystem des Bundesstaates weiterzugeben.

Frieden trotz schwerer Diagnose

«Es ist ein Beispiel für Gottes Liebe. Die Menschen hier unterstützen uns und wir sind jeden Tag dankbar für diese Möglichkeit», sagt Austin Campbell, ein Insasse des JCCC und Student des Programms.

Für viele, die den Bildungsgang durchlaufen, bietet das Programm mehr als nur eine Ausbildung. Es bietet auch Hoffnung inmitten der Schwierigkeiten des Lebens. Im vergangenen Oktober wurde bei Scott Peoples, einem Studenten von «Freedom on the Inside», Covid-19 diagnostiziert. Kurz nach seiner Entlassung aus der Quarantäne erfolgte die Krebs-Diagnose.

Der Arzt sprach von einer 50-prozentigen Überlebens-Chance. «Die Menschen, die Gott in mein Leben gestellt hat, helfen mir jetzt dabei, das durchzustehen. So habe ich trotz den schlimmen Umständen den grössten Frieden, den ich je im Leben gefühlt habe.»

Gefängniskultur verändert

Das Programm «Freedom on the Inside» in Hannibal-LaGrange orientiert sich an anderen Programmen der Baptisten, die grosse Erfolge bei der Veränderung des Lebens der Einzelnen und der Gefängniskultur erzielt haben. Vor fast 30 Jahren war das «Louisiana State Penitentiary» in Angola, Louisiana, nicht nur eines der grössten Hochsicherheitsgefängnisse des Landes, sondern auch ein extrem gewalttätiges. Im Jahr 1990 griffen sich die Insassen 1'107 Mal gegenseitig an und 280 Mal wurde das Personal attackiert.

Doch das änderte sich 1995, als das «New Orleans Baptist Theological Seminary» (NOBTS) ein Seminarprogramm einrichtete, um Langzeitinsassen für den Dienst am Evangelium unter anderen Gefangenen auszubilden. Hunderte von Häftlingen haben dieses Programm inzwischen absolviert, und Tausende von ihnen besuchen regelmässig Gottesdienste hinter den Gefängnismauern. Das Leben hat sich verändert, und die Gewalt ist drastisch zurückgegangen.

«Bibelschule veränderte alles»

«Die Bibelschule hat alles verändert», bilanzierte Burl Cain, der ehemalige Gefängnisdirektor, 2014 gegenüber der New York Times. «Es hat die Kultur des Gefängnisses verändert.»

Inspiriert von der Wirkung des NOBTS-Programms startete das «Southwestern Baptist Theological Seminary» in Fort Worth, Texas, im Jahr 2011 ebenfalls einen Studiengang in Darrington, einem Hochsicherheitsgefängnis in Rosharon, südwestlich von Houston. Sweet diente im Darrington-Programm, bevor er Direktor von «Freedom on the Inside» wurde. «Gott ist in den Gefängnissen im ganzen Land am Werk», beobachtet Sweet. «Aber ganz besonders sehe ich hier, wie Gott wirkt.»

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Datum: 19.08.2021
Autor: Ben Hawkins / Daniel Gerber
Quelle: The Pathway / Übersetzt und bearbeitet: Livenet

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