Von der eigenen Seite verfolgt

Warnung vor «sanftem Totalitarismus» im Westen

Ein anglikanischer Geistlicher, der wegen christlicher Überzeugungen entlassen wurde, warnt vor totalitären Ideologien, die im Westen am Werk sind.
Pfarrer Dr. Bernard Randall

In einer Diskussionsrunde auf dem «International Religious Freedom Summit», die von der Heritage Foundation, einer konservativen Denkfabrik, einberufen wurde, berichtete Pfarrer Dr. Bernard Randall, wie er vor gut drei Jahren als ordinierter anglikanischer Geistlicher den Behörden gemeldet und im Rahmen eines Anti-Terrorismus-Programms der Regierung untersucht wurde, weil er sich während eines Gottesdienstes in einer anglikanischen (!) Schule für die christliche Sexualethik eingesetzt hatte.

Die Diskussionsrunde galt dem Thema «höfliche Verfolgung» – ein Begriff, den Papst Franziskus geprägt hat – und fand am 29. Juni 2022 in Washington D.C. statt.

Deckmantel «Anti-Mobbing»

Die Schule hatte die LGBT-Aktivistin Elly Barnes zu einer Schulung der Lehrkräfte eingeladen, um unter dem Thema der Anti-Mobbing-Erziehung einen neuen Lehrplan einzuführen, sagte er und bemerkte, dass niemand etwas dagegen habe, Schüler vor Mobbing zu schützen. Doch er fand bald heraus, dass es bei dieser Schulung nicht um Mobbing ging, sondern um die Indoktrination der LGBT-Ideologie. Die Ausbilder brachten das Personal dazu, die Notwendigkeit zu skandieren und immer zu wiederholen, «die Heteronormativität zu zerschlagen». «Das ist etwas, das weit über das Verbot von Mobbing hinausgeht», sagte Randall.

«Grobes Fehlverhalten»

Nach der LGBT-Propaganda baten Studenten Randall als Pfarrer, das Thema in einer Andacht von christlicher Seite her zu beleuchten. Nachdem er dies getan hatte, wurde er wegen groben Fehlverhaltens fristlos von der Schule entlassen und dem Anti-Terror-Programm der britischen Regierung, Prevent, gemeldet; er hatte den Schülern im Alter von 11 bis 17 Jahren gesagt, dass sie nicht gezwungen seien, «eine Ideologie zu akzeptieren, mit der sie nicht einverstanden sind». Er erklärte den Schülern auch, dass sie sich ihre eigene Meinung über Geschlechtsidentität und Sexualität bilden könnten.

Randall fügte hinzu, dass die Schüler entweder die Denkweise von LGBT-Aktivisten übernehmen oder sich an die christliche Sexualethik halten könnten – dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau besteht und dass Sex auf diesen Kontext beschränkt ist. Vor allem aber riet er den Studenten, denjenigen, die anderer Meinung sind, Respekt entgegenzubringen.

«Ich bin ein gemässigter Mensch»

«Ich wurde zu einem Verhör durch die oberste Leitung eingeladen und wurde suspendiert», hält Randall fest. «Ich wurde wegen groben Fehlverhaltens gefeuert, weil ich meinen Job gemäss der Stellenbeschreibung gemacht habe.» Randall wurde auch dem Jugendamt gemeldet.

«Ich glaube, dass ich ein einigermassen gemässigter Mensch bin», sagte er und erinnerte daran, dass er die Frage, ob er den Behauptungen der LGBT-Aktivisten Glauben schenkt, in seiner Ansprache in der Kapelle offen liess. Aber seine Entlassung und die Meldung an die Anti-Terrorismus-Task-Force der Regierung war für ihn ein aufschlussreicher Moment, der zeigte, wie weit die Schulverwaltung in das andere Extrem gegangen war.

Er verklagt die Schule nun wegen religiöser Diskriminierung, stellt aber fest, wie erstaunlich es ist, dass er gegen eine Einrichtung der Church of England gerichtlich vorgehen muss, weil er in Andacht christliche Überzeugungen verkündet hat.

Wurzeln des Totalitarismus

Auf die Frage, warum Gender-Ideologen nicht einmal eine Meinungsverschiedenheit zulassen, verwies Randall auf die philosophischen Wurzeln des Denksystems. «Wenn man sich die marxistischen Ursprünge dieser Sache ansieht, scheint mir, dass sie sich gegen das wenden, was sie als Religion betrachten – das Opium der Massen – diese Art von falschem Bewusstsein, und sie müssen uns einfach zum wahren Bewusstsein erziehen», sagte er. «Aber jeder, der sagt: 'Oh nein, ich bin zufrieden mit meinen religiösen Vorstellungen, die ich bereits habe', ist eine echte Bedrohung für das gesamte Konzept. Sie sind eine Bedrohung für die Idee, dass das, was alle glauben, falsch ist und dass die Marxisten uns in diese neue wunderbare, aufgeklärte Utopie führen werden. Und diese Art von Bedrohung können sie nicht dulden. Es ist ein sehr totalitäres System», fügte er hinzu.

Randall und andere bezeichnen ihre Erfahrungen als «weichen Totalitarismus», während das, was die Menschen in China ertragen, «harter Totalitarismus» sei. «Aber der Unterschied zwischen den beiden ist nicht so gross, wie wir vielleicht denken», betonte er.

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Datum: 05.07.2022
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Christian Post

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