Martin Luther, Mutter Teresa, ...

Prominente Christen, die unter Zweifeln litten

Egal, wie stark unser Glaube ist, wir leben als Christen mit Zweifeln. Das erlebten auch so prominente Gläubige wie Martin Luther, Mutter Teresa, Charles Haddon Spurgeon, Johannes Calvin und andere. Denn Zweifel ist kein Zeichen von Kleinglaube, er treibt uns tiefer in die Gemeinschaft mit Gott – und unser Glaube kann dadurch stärker werden.
C.S. Lewis
Charles Haddon Spurgeon war ein englischer Baptistenpastor
Papst Franziskus
Martin Luther und Mutter Teresa

Prominente Christen werden normalerweise für ihren starken Glauben geachtet. Zweifel passen eher nicht ins Klischee. Allerdings erleben die meisten – wenn nicht alle – Christen Kämpfe, Schwierigkeiten und Zweifel in ihrem Leben mit Gott. Gerade auch die prominenten. Und manche ihrer Aussagen können uns «normalen» Christen helfen, mit unseren Zweifeln zu leben und gleichzeitig zu wissen, «wenn uns unser Herz verdammt, Gott grösser ist als unser Herz». (1. Johannes, Kapitel 3, Vers 20).

C. S. Lewis

Er ist einer der meistgeliebten christlichen Autoren und Denker. Lewis ist bekannt für Bestseller wie die «Chroniken von Narnia», «Pardon, ich bin Christ» oder die «Dienstanweisungen für einen Unterteufel». Doch der bekannte Verteidiger des Glaubens bekannte auch: «Ich habe herausgefunden, dass nichts gefährlicher für den eigenen Glauben ist, als die Arbeit eines Apologeten.» Trotz seiner Verdienste für die Christenheit kämpfte er sowohl persönlich als auch intellektuell um seinen Glauben. Er wusste um die Wichtigkeit, dass andere für ihn beteten. Zweifel waren für ihn kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Grund, die Beziehung zu Gott zu vertiefen.

Trotz seiner Zweifel steht C. S. Lewis für seine Schriften über den Glauben, selbst wenn er dafür seine Zweifel beiseite wischen musste: «Glaube, in der Art wie ich das Wort gebrauche, ist die Kunst, an Dingen festzuhalten, die der Verstand bereits akzeptiert hat, auch wenn sich die Gefühle ändern sollten … Deshalb ist Glaube so wichtig: Wer seinen Gefühlen keine Grenzen setzt, kann weder ein echter Christ, noch ein echter Atheist sein.»

Mutter Teresa

Wer von Mutter Teresa hört, denkt meist an den selbstlosen Dienst der «Missionarinnen der Nächstenliebe» in Kalkutta. Doch nach ihrem Tod veröffentlichte Briefe und Tagebucheintragungen zeigen das Bild einer Christin, die zeitlebens mit Zweifeln zu kämpfen hatte.

Sie hatte eine klare Berufung von Gott erfahren, doch dann folgte jahrzehntelanges Schweigen. Darüber schrieb sie: «Die Dunkelheit ist so gross, dass ich wirklich nichts sehe … weder mit Herz noch Verstand … der Platz für Gott in meiner Seele ist leer … Gott ist nicht in mir … der Schmerz meiner Sehnsucht nach ihm ist so gross … ich sehne und sehne mich nach ihm.» Immer wieder bat sie Nahestehende um Gebet: «Betet für mich, dass ich trotz allem weiter lächeln kann.» Doch trotz aller Zweifel und einsamen Lebensabschnitte hielt sie an ihrer Berufung und Hingabe fest. Heute erinnert man sich an sie als «Engel von Kalkutta».

Martin Luther

Wer an Luther denkt, sieht normalerweise den Reformator und Vater der Protestanten vor sich. Doch zu seinem Wesen gehört unabdingbar auch die zutiefst menschliche Seite des Zweifels. Auch wenn die Furcht wegen seiner Schuld ihn zur Idee von Rettung ohne Mithilfe des Menschen führte, begleiteten ihn seine Zweifel über seinen Glauben, sein Denken und seine Beziehung zu Gott das ganze Leben hindurch. Einmal schrieb er: «mehr als eine Woche lang war ich den Toren der Hölle und des Todes nahe. Ich zitterte an allen Gliedern. Christus war mir verloren. Ich war hin- und hergeschüttelt von Verzweiflung und Gotteslästerung.»

Luthers Erbe ist letztlich das eines Reformators mit festem Vertrauen auf Gott. Man sieht seinen Einfluss auf die Kirche. Aber selbst ein Christ seiner Grösse litt unter Zweifeln an seiner Rettung, seiner Berufung und Gottes Gedanken über ihm.

Charles Haddon Spurgeon

Als einer der grössten Prediger aller Zeiten, war Spurgeon nicht nur ein Meister der Kommunikation von tiefen biblischen Wahrheiten. Gleichzeitig konnte er sich in seine Zuhörer und ihre Kämpfe hineinfühlen. In einer Predigt betonte er: «Ich denke, wenn ein Mensch behauptet, dass er nie zweifelt, ist es an der Zeit, ihn zu bezweifeln. Es ist an der Zeit zu sagen: Arme Seele, ich fürchte, du bist gar nicht auf dem Weg. Denn wenn du es wärest, würdest du so viel in dir entdecken und so viel Herrlichkeit in Christus, die du gar nicht verdient hast, dass du dich schämen und sagen würdest: Das ist zu gut, um wahr zu sein!»

In einer anderen Predigt unterstrich der König der Prediger: «Die Starken sind nicht immer kräftig, die Weisen nicht immer bereit und die Fröhlichen nicht immer glücklich …» Am Ende jedoch betonte er: «Die Lektion der Weisheit ist es, sich nicht durch seelische Probleme bestürzen zu lassen … Wirf dein Vertrauen  nicht weg, welches eine grosse Belohnung hat. Selbst wenn dein Feind seinen Fuss auf deinem Nacken hat, erwarte, dass du aufstehen und ihn überwältigen wirst. Wirf die Last der Gegenwart zusammen mit der Sünde der Vergangenheit und der Furcht vor der Zukunft auf den Herrn, der seine Heiligen nie verlässt.»

Johannes Calvin

Für einen weiteren Vater der Reformation, Johannes Calvin, waren Zweifel etwas, was kein Christ fürchten sollte – stattdessen sollten wir sie erwarten und nicht überrascht sein, wenn sie da sind: «Während wir lehren, dass der Glaube sicher und gewiss sein sollte, können wir uns gleichzeitig keine Sicherheit vorstellen, die nicht durchsetzt ist mit Zweifeln, keine Gewissheit, die nicht bedroht wird durch Ängste.» Calvin verstand Zweifel als Teil der Glaubenserfahrungen, weil unsere menschliche Natur Gott und sein Wesen einfach nicht ganz verstehen kann: «Unglaube steckt so tief in unseren Herzen und wir sind so daran gewöhnt, dass wir uns nicht ohne Kampf davon überzeugen lassen, was wir mit dem Mund bekennen: dass Gott treu ist.»

Papst Franziskus

Seit seiner Wahl zum Leiter der katholischen Kirche im Frühjahr 2013 hat Franziskus seinen Einfluss innerhalb der Kirche und weit darüber hinaus geltend gemacht. Das «Time Magazine» erklärte ihn zum Menschen des Jahres 2013 und unzweifelhaft ist er der populärste Papst seit langem. Aber auch er spricht offen von seinen Zweifeln. «Wer von uns hätte nicht Unsicherheit, Verlust und Zweifel auf seinem Glaubensweg erfahren? Jeder! Wir alle haben dies erfahren, ich auch. Sie sind Teil unserer Reise im Glauben, Teil unseres Lebens. Zweifel sollten uns nicht überraschen, weil wir menschliche Wesen sind, zerbrechlich und begrenzt. Wir alle sind schwach, wir alle haben Grenzen: Keine Angst! Wir alle haben Zweifel.»

Datum: 16.12.2014
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet / relevantmagazine.com

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