Die viel zitierte Instanz

Gibt es einen Fussballgott?

Wenn man die Kommentare zur WM verfolgt, muss es wohl einen Fussballgott geben. Schliesslich wird er ständig bemüht. Ist er mehr als eine Erfindung der Journalisten? Wenn ja, dann hat er beim Spiel Schweiz-Argentinien den Argentiniern geholfen.
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Die Schweizer Nationalmannschaft 2014 für die WM in Brasilien
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Der argentinische Fussball-Star Lionel Messi nach seinem Tor beim WM-Spiel Argentinien-Nigeria. (Reuters: RTR3VPJ9)

Wie alle Götter bleibt der Fussballgott unsichtbar. Angeblich lenkt er das Spiel aus dem Geheimnisvollen heraus, indem er Torchancen eröffnet, die die Spieler dann «verwandeln» oder «vergeben» können. Ein Tor im Fussball wird mit Freudensprüngen gefeiert, Spieler umarmen sich. Manche werfen sich auf die Knie, breiten die Arme aus. Ihre Gestik drückt Dank aus – der sich offensichtlich an den Fussballgott richtet.

Fussball ist keine Religion

Der ehemalige Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buss, warnt davor, Fussball als Religion zu verkaufen. Das Spiel sei zwar voller religiöser Rituale und damit ein Gleichnis für das Leben und für die Religion, sagte Buss. Der Grund der Religion sei aber allein Gott.

«Der Fussball kann eine ernsthafte Konkurrenz sein zur Religion», erläutert der Theologe Hans Küng: «Er kann Ersatzreligion werden. Man spricht ja sogar vom Fussballgott. Die gesamte Stimmung, die dem einzelnen suggeriert, das, was er gerade erlebt, sei das Grösste. Wenn der Fussball nur die Leere des Kopfs und des Herzens füllt und sonst nichts drin ist, wird's gefährlich.»

Fussball und das Leben

Eigentlich ist das beim Fussball nicht anders als sonst im Leben. Leistung kann sich sehr wohl lohnen. Und doch: Gerecht geht es nach unseren Vorstellungen im Leben oft nicht zu. Zufälle entscheiden über Schicksale. Den einen fällt scheinbar alles in den Schoss, und andere mühen sich ein Leben lang ab und kommen auf keinen grünen Zweig. Das Bedürfnis, das eigene Erleben in einen grösseren Zusammenhang einzuordnen, liegt uns scheinbar im Blut. Im Alltag, aber eben auch in der Freizeit, im Sport. So wird der Fussballgott bemüht, wenn menschliche Erklärungsversuche im Blick auf Sieg und Niederlage zu kurz greifen.

Es gibt also einen Fussballgott. Aber er ist nicht identisch mit dem Gott der Bibel, mit dem Gott Jesu. Er ähnelt eher dem sogenannten «lieben Gott», der auch im Alttag oft bemüht wird, wenn wir Menschen Ungerechtigkeiten erleben oder beobachten. Von diesem «lieben Gott» wird erwartet, dass er Glück und Unglück gleichermassen gerecht verteilt.

Doch der Gott der Bibel ist mit diesem lieben Gott nicht identisch. Gott hat diese Welt so eingerichtet, dass nicht von vorneherein alles gleich und gerecht verteilt ist. Es ist möglich, dass einige ein scheinbar leichtes Leben haben und andere ein ganz schweres. Und, um auf den Fussball zurück zu kommen: Niemand vermag sicher zu berechnen, wer das nächste Spiel gewinnt. Aber das macht den Reiz des Spiels aus: ich weiss beim Anpfiff nicht, wie es nach 90 oder 120 Minuten aussehen wird. Beim Leben ist es ähnlich: das Spannende und zugleich Aufregende ist die Tatsache, dass ich nicht weiss, wie es verläuft und dann endet. Wenn ich mich aber an die Regeln Gottes halte, dann weiss ich, wo es hinführt.

Datum: 01.07.2014
Autor: Bruno Graber / Florian Wüthrich
Quelle: Jesus.ch

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