Michael Diener

«So evangelisch wie möglich und so evangelikal wie nötig»

Ein stärkeres Nachdenken über das Selbstverständnis der Deutschen Evangelischen Allianz fordert deren Vorsitzender und Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener. Ein Gegeneinander von evangelischen Landeskirchen und evangelikaler Bewegung dürfe es nicht geben.
Michael Diener

Gegen ein Gegeneinander von evangelischen Landeskirchen und evangelikaler Bewegung hat sich der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener (Kassel), gewandt. Die Charakterisierung der Evangelischen Allianz als «evangelikale Kampftruppe gegen den Verfall in Kirche und Gesellschaft» widerspreche ihrem geistlichen Anliegen, indem es zersplittere und spalte, anstatt zu einen, sagte er in einem Seminar während der 117. Allianzkonferenz im thüringischen Kurort Bad Blankenburg. 

Diener erläuterte seine Überzeugung, dass die Allianz «so evangelisch wie möglich und so evangelikal wie nötig» sein solle. Die Allianz habe sich seit ihrer Gründung im Jahr 1846 als geistliche Einheitsbewegung innerhalb der Christenheit verstanden. Grundlage sei die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs «evangelisch», wonach die Bibel eine zentrale Stellung in der Kirche einnehme. «Wenn es um die Einheit des Leibes Christi geht, sollten wir uns klarmachen, dass wir Evangelische und nicht Evangelikale Allianz heißen», sagte Diener.

Evangelikale als innerkirchliche Reformbewegung

Das spezielle Kennzeichen evangelikaler Christen sei, dass sie eine persönliche Entscheidung für Jesus Christus, einen evangeliumsgemäßen Lebensstil und das persönliche Zeugnis des Glaubens betonten. Hinzu komme ein starkes missionarisches Anliegen, das sich auch in der Einladung zu Bekehrung und Wiedergeburt zeige. Ihre Aufgabe als innerkirchliche Reformbewegung sei, «in einer gewissen Einseitigkeit und damit auch Eindeutigkeit» entweder zentrale Anliegen des Evangeliums wach zu halten oder auf neue Herausforderungen hinzuweisen. Für die Evangelische Allianz gelte, sich für den Lebensschutz und für soziale Gerechtigkeit zu engagieren, für Religionsfreiheit und die Geltung der freiheitlich demokratischen Grundordnung einzutreten sowie die Respektierung aller Gebote Gottes zu fordern. 

Diener ist promovierter Theologe. Er steht seit 2009 an der Spitze des pietistischen Dachverbandes Gnadauer Gemeinschaftsverband, dem rund 5000 Landeskirchliche Gemeinschaften angeschlossen sind, und ist seit Januar ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. Zu diesem Netzwerk gehören etwa 1100 Ortsallianzen sowie mehr als 330 selbständige diakonische, evangelistische, missionarische, publizistische und seelsorgerliche Werke. 

Datum: 08.08.2012
Quelle: idea

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