Wochenbettdepression

«Ich bin wohl keine gute Mutter...»

Für viele Frauen ist die Geburt des eigenen Kindes ein wunderschönes Erlebnis. Das Umfeld freut sich in aller Regel mit. Doch manchmal bleibt die Freude ausgerechnet bei der jungen Mutter aus. Die Klinik SGM in Langenthal ist auf Mütter mit «postpartaler Depression» spezialisiert.

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Psychologin Laura Brändle beschreibt im aktuellen Newsletter der Klinik SGM Langenthal das Phänomen einer postpartalen Depression (auch bekannt als postnatale Depression): «Sie tritt innerhalb von vier Wochen nach einer Entbindung auf. Symptome sind depressive Verstimmung, Interessens- oder Freudeverlust, starke Gewichtszu- oder -abnahme, Schlafstörungen, innere Unruhe oder Verlangsamung, tiefes Selbstwertgefühl oder Denk- und Konzentrationsschwierigkeiten. Häufig werden auch Symptome beobachtet, welche die Beziehung zum und die Wahrnehmung des Kindes betreffen wie beispielsweise Schuldgefühle und/oder zwanghafte Impulse.»

Jede zehnte Frau ist betroffen

10 bis 15 Prozent der Frauen erkranken an einer Wochenbettdepression. Hier berichtet eine betroffene Frau über ihr stilles Leiden mit der postpartalen Depression:

«Vor drei Jahren kam unser absolutes Wunschkind zur Welt. Mein Mann und ich waren überglücklich, als wir nach einer komplikationsreichen Geburt unsere Tochter im Arm halten konnten! Und dann kam alles anders…

Larissa (Name geändert) war ein tolles Baby (und ist heute ein tolles Kind!). Sie war sehr pflegeleicht, weinte wenig und mit acht Wochen schlief sie bereits durch. Was für ein Glück wir doch haben, musste ich immer wieder hören. Doch irgendwie konnte ich das alles nicht richtig geniessen. Ich fühlte mich einsam, da ich während diesen Wochen meine kurz zuvor verstorbene Mutter sehr stark vermisste. Ich hatte immer das Gefühl, ich sei keine gute oder «normale» Mutter. Ich konnte nicht «normal» gebären und Stillen ging leider auch nicht. Ich setzte mich selber immer wieder unter Druck: «Du musst doch jetzt glücklich sein!», «Jetzt hast du doch, was du dir immer so sehr gewünscht hast!»

Hohe Ansprüche an sich selbst

Hinzu kam, dass ich mir immer Sorgen um die Kleine machte. Ich hatte grosse Angst, etwas falsch zu machen und dass sie dann einen Schaden davontragen könnte. Für meine Gefühle habe ich mich geschämt und geschwiegen. Das hat dazu geführt, dass ich immer unzufriedener wurde. Mein Mann und ich hatten vermehrt Auseinandersetzungen, weil er nicht verstehen konnte, was mit mir los war.

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Mutter-Kind-Zimmer der Klinik SGM
Ganze sechs Monate lang habe ich geschwiegen, bis ich mich endlich an meine Hausärztin wandte. Diese handelte schnell und hat mir die Klinik SGM Langenthal empfohlen, da man dort das Baby mitbringen kann. So bin ich dann eines Morgens mit Sack und Pack in Langenthal angekommen. Sofort wurden Larissa und ich herzlich begrüsst und in unser Zimmer geführt. Ich habe mich gleich wohl gefühlt. Für die Kleine standen bereits ein Babybett und eine Wickelauflage bereit. Ziel meines Aufenthaltes war es zu lernen, dass ich Larissa auch ohne schlechtes Gewissen in fremde Obhut geben kann. Es war für mich nicht leicht, denn ich hatte immer das Gefühl, ich sei eine schlechte Mutter, wenn ich Larissa von jemand anderem betreuen lasse, und dass meine Tochter mich dann nicht mehr lieb haben könne. Das Pflegeteam war immer für uns beide da, und somit konnten wir uns erholen und uns besser aneinander gewöhnen.

Die Zeit in der Klinik hat mir sehr gut getan und ich habe durch die praktische Begleitung sowie die diversen Beratungen und Therapien vieles gelernt. Ich rate allen betroffenen Frauen, sich nicht vor einem Aufenthalt zu fürchten. Durch die liebevolle und herzliche Betreuung wurde mir bewusst, dass ich doch eine gute Mutter bin, und für diese Erfahrung bin ich von Herzen dankbar!

Stilles Leiden

10 bis 15 Prozent der Frauen leiden heute nach der Entbindung an einer Wochenbettdepression. «Meist werden die Symptome spät oder gar nicht erkannt, wodurch Betroffene im Stillen leiden und in ihrem Umfeld oft auf wenig Verständnis stossen», berichtet Laura Brändle. Eine Wochenbettdepression werde meist mit einer Kombination aus intensiver kognitiver Verhaltenstherapie und medikamentöser Behandlung therapiert. Die Frauen lernen dabei, ihre Denkmuster gegenüber sich selbst und dem Kind zu verändern und Strategien zum Umgang mit negativen Gefühlen und Einstellungen zu finden. Gleichzeitig werde durch das Angebot in der Klinik SGM eine Entlastung der Situation durch den Einbezug von Unterstützung von aussen angestrebt.

Die betroffenen Mütter haben oft sehr hohe Ansprüche an sich selbst und ihre Rolle als Mutter und machen sich viele Gedanken und Sorgen in Bezug auf die Beziehung zum Kind oder seine Entwicklung. Nebst der Therapie ist es wichtig, dass die junge Mutter lernt, wie sie trotz ihrer neuen Rolle etwas für sich tun kann und welche Aktivitäten ihr gut tun.

Psychologin Laura Brändle schreibt abschliessend: «Bei angemessener und frühzeitiger Behandlung einer Wochenbettdepression kann eine gute Prognose gestellt werden, die sich auf das ganze Familiensystem positiv auszuwirken vermag.»

Zur Webseite:
Klinik SGM

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Datum: 07.10.2015
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet / Klinik SGM

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