30 Tage Gebet: Ein Herrscher ohne Land

Ahmedabad

Im islamischen Fastenmonat Ramadan beten Christen für Muslime. Heute Infos zu Aga Khan und seinen Nachfolgern.

„Wir haben den Auftrag, die Welt als einen besseren Ort zurückzulassen.“ Dies sind Worte des geistlichen und weltlichen Herrschers ohne Land, Seiner Hoheit Prinz Karim Aga Khan IV.

Er ist das 49. Oberhaupt der Nizari-Ismailiten, einer schiitischen Sondergruppe, die aus dem Islam hervorging, aber auch Elemente anderer Religionen wie des Hinduismus und der Erkenntnislehre des Tantrismus aufgenommen hat. Das Ramadanfasten und die Wallfahrt nach Mekka haben bei den Nizari-Ismailiten dagegen keine Bedeutung. Stattdessen werden bei den Ismailiten „Bhajans“, eine Art indisch-meditativer Lieder auf Gujarati, gesungen, während es im sunnitischen Islam in der Moschee üblicherweise keinen Gesang gibt.

Das religiöse Leben der Ismailiten findet in einer „Jama‘at khana“ statt, einem Gebäude, das Versammlungs- und Kulturzentrum ist. In Deutschland gibt es vier davon. Sie haben kein Minarett und sind auch nicht nach Mekka ausgerichtet. Ismailiten beten dreimal am Tag, jedoch nicht in der offiziellen Gebetshaltung der übrigen Muslime. Sie erlauben keinem anderen Muslim, bei ihren Versammlungen anwesend zu sein.

Obwohl viele Ismailiten aus Indien stammen, ist ihre Hauptsprache heutzutage das Englische. Einem Erlass des Vorgängers und Großvaters, Aga Khan III., sich mehr westlich zu orientieren, wurde Folge geleistet. Seit dieser Zeit hat der Aga Khan seinen Hauptwohnsitz nicht mehr in Indien, sondern in Europa.

Karim Aga Khan IV. steht seiner Gemeinschaft mittlerweile schon über 50 Jahre vor und ist ihre oberste Instanz in allen Glaubensfragen. In den Augen seiner vielleicht 20 Mio. Anhänger, die weltweit in rund 25 Ländern verstreut leben, gilt er nicht nur als direkter Nachfahre des Propheten Muhammad, sondern auch als Imam, also als unfehlbarer Führer der ismailitischen Gemeinschaft. Der heute über 70jährige Aga Khan lebt in der Nähe von Paris, besitzt ein weltumspannendes Wirtschaftsimperium und ist rastlos in Zentralasien, Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten und den USA unterwegs.

Er bekennt sich uneingeschränkt zur Demokratie, die er im frühen Islam als verwirklicht betrachtet. Undemokratische Verhältnisse in islamischen Ländern hat er mehrfach angeprangert. In seinem Denken und seiner Erziehung, die er in der Schweiz und in Harvard genoss, mischen sich aufgeklärtes westliches Denken mit islamischem Selbstbewusstsein. Als einer der vermögendsten Männer der Welt nutzt er seinen Einfluss und seinen Besitz vor allem zur Förderung seines „Aga Khan Development Networks“ (AKDN), der weltweit größten privaten Entwicklungshilfeorganisation zur Unterstützung von Gesundheitsprogrammen, Bildung und Kultur. Wird dieses gewaltige soziale Engagement ein Bollwerk zur Eindämmung und Überwindung des politischen Islam sein können?

Gebetsanliegen
- Die Erkenntnis bei Ismailiten, dass Gott selbst ihr Vater sein möchte.
- Ein furchtloses Bekennen des Glaubens bei den wenigen Christen, die ehemals Ismailiten waren.
- Eine geistliche Suche nach Wahrheit unter den wohlhabenden Ismailiten, die nach mehr verlangt als nach Idealen und Lehrinhalten des Ismailitentums.
- Die Entstehung von Gemeinden unter den Ismailiten.

Quelle Text und Bild: Deutsche Evangelische Allianz / SEA

Datum: 11.09.2008

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