«Gegen weltweites Verbrechen»

Evangelikale gründen globales Netzwerk gegen Menschenhandel

Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) und das «European Freedom Network» (EFN) haben angekündigt, ein neues globales Netzwerk zur besseren Bekämpfung des Menschenhandels ins Leben zu rufen.  
Menschenhandel Symbolbild
Leanne Rhodes
Thomas Schirrmacher

Geschätzte 43 Millionen Menschen weltweit sind in dieser modernen Form der Sklaverei gefangen, in der Frauen, Männer und Kinder für finanziellen Gewinn ausgenutzt, gekauft und verkauft werden.

Das neu geschaffene World Freedom Network (WFN) wird eine Vielzahl von Organisationen und Experten zusammenbringen. Der besondere Fokus liegt darauf, wie Kirchen und lokale Gemeinden sich engagieren und eine besondere Rolle in der Bekämpfung des Menschenhandels in ihrem lokalen Kontext spielen können. Die bisherige Leiterin des EFN, Leanne Rhodes, wurde als Direktorin des neuen World Freedom Network berufen.

Globales Verbrechen global bekämpfen

«Menschenhandel (human trafficking) ist ein global organisiertes Verbrechen und es braucht einen globalen Ansatz, um es zu bekämpfen», erklärte Rhodes zu ihrer Berufung. «Es freut mich sehr, dass das World Freedom Network nun ein wichtiger Teil der Lösung wird. Wir werden Christen schulen und vernetzen, die in diesem Bereich aktiv sind und Kirchen auf der ganzen Welt helfen, sich lokal und national zu engagieren. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir so viel mehr erreichen. In Europa haben wir mit dem EFN schon gesehen, wie wirksam ein solcher Ansatz ist. Nun können wir andere Regionen darin unterstützen, es genau so zu machen.»

Das WFN will eigene regionale Netzwerke aufbauen, die sich in ihrem jeweiligen Kontext mit dem Menschenhandel beschäftigen. In vielen Ländern wird das neue Netzwerk dabei auf bestehende Strukturen der regionalen und nationalen Evangelischen Allianzen aufbauen können, die in 143 Ländern Christen, Kirchen und christliche Werke zusammenbringen. «Als Nachfolger Christi ist es unser Auftrag, uns gegen den Menschenhandel zu engagieren. Mit über 600 Millionen Evangelikalen in jeder Region der Welt freut es mich sehr, dass wir dieses Verbrechen gegen die Menschheit erfolgreich bekämpfen können.»

Rhodes ist gebürtige Australierin und lebt in Portugal. Seit einigen Jahren leitete sie das EFN-Netzwerk von christlichen Organisationen aus 42 Ländern. Gegenwärtig arbeitet sie an ihrer Masterarbeit mit dem Thema «Wie arbeiten Menschenhändler, um Menschen online mit dem Ziel der sexuellen Ausbeutung zu rekrutieren?».

Schirrmacher: «Evangelikale» waren Bekämpfer der Sklaverei

Der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), Thomas Schirrmacher, erinnerte daran, dass der Begriff «Evangelikale» im 19. Jahrhundert erstmalig auf die Christen in Grossbritannien angewendet wurde, die die Sklaverei bekämpften. Die WEA erbte diese Vision, als sie 1846, dreizehn Jahre nach Beendung der Sklaverei, gegründet wurde. «Das berühmte Lied 'Amazing Grace' ist ja fast die Nationalhymne der Evangelikalen – es redet von der persönlichen Errettung, hat aber auch die globale Perspektive: Es wurde von einem ehemaligen Sklavenhändler geschrieben, der an Jesus gläubig wurde und es kaum begreifen konnte, dass er mit seiner Vergangenheit nochmal eine zweite Chance bekam, sich dann für seine früheren Opfer einsetzte und zum führenden Abolitionisten wurde», so Schirrmacher.

Nicht Sprint, sondern Marathon

«Evangelikale engagieren sich in einer Vielzahl von lokalen, nationalen und transnationalen Organisationen gegen Rassismus, Sklaverei und Menschenhandel. Sie setzen sich für schärfere Gesetze und besseren Schutz ein und betreiben weltweit sichere Häuser für Menschen, die aus der Zwangsprostitution aussteigen», sagte Schirrmacher und fügte hinzu: «Ich freue mich sehr, dass all diese Aspekte nun sichtbar zusammengeführt und vernetzt werden können, so dass wir unsere globale Lobbyarbeit zu diesem Thema stärken und die nationalen Allianzen besser dabei unterstützen können, sich mit einer Stimme an ihre Regierungen und Mitbürger zu wenden.»

«Wir wissen zwar, dass der Kampf gegen den Menschenhandel kein Sprint, sondern ein Marathon ist, aber als Evangelikale werden wir weiterhin an vorderster Front für die eintreten, die dem Übel der modernen Sklaverei zum Opfer gefallen sind, und uns für ihre Freiheit und Wiederherstellung einsetzen», schloss Schirrmacher.

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Datum: 14.08.2021
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Evangelical Focus

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