Generationswechsel

Anna-Nicole Heinrich bringt frischen Wind in die EKD-Synode

Überraschend wählte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland Anna-Nicole Heinrich als neue Präses. Die 25-jährige Studentin ist damit die jüngste Präses der EKD-Geschichte. Sie will nicht auf ihre Jugend reduziert werden, doch mit ihr setzt die Kirche erkennbar auf einen Generationswechsel.
Anna-Nicole Heinrich

Irmgard Schwaetzer (79) hatte ihr Amt als Präses der Synode nach sechs Jahren turnusgemäss abgegeben. Wie manches Mal in solchen Situationen war von einer möglichen Verjüngung die Rede, von einem Generationswechsel. Trotzdem war es für die meisten Teilnehmenden, Beobachterinnen und Beobachter eine Überraschung, dass die 25-jährige Synodale Anna-Nicole Heinrich im ersten Wahlgang und mit deutlicher Mehrheit zur neuen Präses gewählt wurde.

Ein neues Gesicht

Die Philosophiestudentin aus Regensburg engagiert sich schon seit einer Weile für die evangelische Kirche in Bayern. An der letzten Synode nahm sie als Jungdelegierte teil und formulierte im Zukunftsteam mit an den zwölf Leitsätzen zur Zukunft einer aufgeschlossenen Kirche. «Ein bisschen ehrfürchtig» blicke sie auf die vor ihr liegende Amtszeit, stellte Heinrich fest und kündigte eine «hoffnungsvolle, integrative und pragmatische Kirche» mit missionalem und diakonischem Auftrag an.

Die evangelische Zeitschrift «Chrismon» berichtet, dass Heinrich ursprünglich aus Thüringen stammt und keinen christlichen Hintergrund hatte. Das war in ihrer neuen Heimat in der Oberpfalz allerdings «nicht vorstellbar». So musste sie selbstverständlich am Religionsunterricht teilnehmen. «Der gefiel Anna-Nicole Heinrich so gut, dass sie sich taufen und konfirmieren liess und sich später in der Jugendarbeit engagierte und einfach immer weiter machte.» Laut Jesus.de bezeichnet sie ihren Glauben als «theologisch liberal», aber in der Ausübung «auch charismatisch».

Hackathon #glaubengemeinsam

Die Studentin will nicht auf ihr Jungsein reduziert werden, doch ist dies sicher einer der Gründe für ihre Wahl. Die Evangelische Kirche steht vor schwierigen Zukunftsfragen wie dem absehbaren Schrumpfen der Mitgliedszahlen. Gleichzeitig muss sie sich – nicht nur wegen der Covid-Pandemie – mit Fragen der Digitalisierung auseinandersetzen. Hier profilierte sich Heinrich bereits als Vordenkerin. Sie war Mitinitiatorin des Hackathon #glaubengemeinsam, bei dem über 700 Menschen 50 Projekte rund um das Thema digitale Kirche weiterdachten.

Im Sonntagsblatt zog sie damals als Resümee: «Wir haben mit dem Hackathon die kirchliche Struktur ziemlich herausgefordert. Wir haben am Tag null gesagt, wir wollen das machen, und zwar in elf Tagen. Wir haben gefühlt Tag und Nacht gearbeitet und immer irgendwas gebraucht und angefragt. Und mussten feststellen: So agil sind wir eigentlich gar nicht. Eigentlich sind unsere Abläufe, unsere Prozesse innerhalb unserer Strukturen viel zu langsam. Hier muss sich Kirche in Zukunft viel mehr öffnen und viel agiler werden.»

Kurswechsel oder Wunschdenken?

Wird das alte Schiff «Kirche» automatisch agiler, wenn eine junge Präses am Ruder steht? Natürlich nicht. So ist die Wahl von Anna-Nicole Heinrich im besten Falle der Startpunkt für eine Verjüngung und Veränderung alter Strukturen. Noch ist kein Kurswechsel vollzogen. Doch tatsächlich ist in den nächsten sechs Jahren einiges möglich, denn die Nachfolgerin von Irmgard Schwaetzer hat nicht zuletzt beim Hackathon ihre Qualitäten als Teamplayerin, Organisatorin und Motivatorin bewiesen.

Laut «Chrismon» gratulierte ihr der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm überschwänglich und sichtlich bewegt und sprach vom «konstruktiven und frischen Wind», den sie schon jetzt in die Synode einbringe. Anna-Nicole Heinrich dagegen fand die Kirche «verdammt mutig», sie als Präses zu wählen.

Die Synode der EKD ist neben Rat und Kirchenkonferenz eines ihrer drei Leitungsorgane. Sie erarbeitet Stellungnahmen zu Zeitfragen und beschliesst Haushalt und Kirchengesetze. Die Synode besteht aus 128 Mitgliedern, die wie ihre Präses jeweils für sechs Jahre gewählt werden. Zur EKD gehören 20 lutherische, reformierte und unierte deutsche Landeskirchen mit insgesamt 21,1 Millionen evangelischen Christinnen und Christen.

Video zum Hackathon:

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Datum: 14.05.2021
Autor: Claudia Keller / Hauke Burgarth
Quelle: Chrismon / Livenet

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