Bedroht und gefoltert

Christen in Laos und das Ringen um Freiheit

Das Licht scheint in der Finsternis, und manchmal flackert es im Wind. Während Menschen im abgeschiedenen südostasiatischen Land die christliche Botschaft aufnahmen, haben sich Mächtige ihr entgegengestellt. - Schlaglichter auf eine dramatische Geschichte.

Laos, das einzige Binnenland Indochinas, ist fast sechsmal so gross wie die Schweiz und zählt sechs Millionen Menschen. Die westliche Grenze des Landes bildet der Mekong; gegen Osten, an der 1000 km langen Grenze mit Vietnam, erheben sich Hügel, in denen zahlreiche Stämme ein abgeschiedenes Leben führen. Vor dem Aufkommen des Luftverkehrs und moderner Kommunikationsmittel gab es keine Überlandstrassen, nur die Mekong-Schifffahrt.

1902 trafen die ersten Missionare aus der französischen Schweiz im Land ein. 1908 starben der Gründer der Arbeit und seine Frau in derselben Nacht an der Cholera, was die Schweizer Mission beinahe resignieren liess. Im Norden liessen die Franzosen den König von Luang Prabang an der Macht; der Süden war wie das benachbarte Vietnam französische Kolonie.

Bibel in der Amtssprache

Am Ort der ersten Telegrafenstation errichteten die Pioniere der "Mission évangélique suisse au Laos" die erste Station. Der Waadtländer Fritz Audétat übersetzte das Neue Testament ins Laotische (1927); sechs Jahre später war die Bibel in der Lao-Amtssprache erstellt. Audétat, der die erste Schreibmaschine mit laotischen Schriftzeichen besass, durchwanderte das Land von Süden nach Norden und stellte in den grösseren Ortschaften das Evangelium vor. Im Norden hatten 1928 angelsächsische Missionare der ‚Christian and Missionary Alliance' ihre Arbeit aufgenommen. Das Land zählt je nach Gliederung 47, 68 oder 138 Volksgruppen, teils buddhistisch, teils animistisch geprägt.

Bedroht und gefoltert

1941 kam die schwerste Stunde für die Mission: Die japanischen Invasoren folterten den Neuenburger Willi Brugger während 40 Tagen. Audétat umklammerte, als sie ihn bedrohten, den Pfeiler seines Hauses und äusserte, er werde nicht weichen. Sie liessen ihn. Die Missionare in Laos waren während zweier Jahre von der Aussenwelt völlig abgeschnitten. 1943 intensivierte sich der Krieg zwischen Japanern und Franzosen; viele katholische Missionare verloren ihr Leben.

1946 übernahmen die Franzosen die Kontrolle nochmals, während die Königsfamilie in Luang Prabang auf die Unabhängigkeit zu schielen begann. Doch über die Zukunft entschied eine andere Bewegung: Marxistisch-revolutionäres Denken sickerte in die gebildeten Schichten ein und brachte sie in Gegensatz zum stolzen Thailand und dem noch stärker von den USA abhängigen Südvietnam.

Ende der Kolonialherrschaft

In der Hölle von Dien Bien Phu ging 1954 die französische Kolonialherrschaft in Indochina zu Ende. Nach den harten Weltkriegserfahrungen wurden Ende 1953 alle Schweizer Missionarsfamilien aus Laos evakuiert - ausser Bernard und Hélène Félix und Armand und Heidi Heiniger, die eben angekommen und noch kinderlos waren. Heiniger erinnert sich, dass er am Weihnachtsmorgen den Kühler des Jeeps schweissen musste, um seine Landsleute wegzubringen… Seine erste Abdankung hielt er für acht getötete Franzosen. Die Franzosen hatten 20'000 Soldaten in Laos stationiert - doch die Grande Nation unterlag!

Aufbau im Schatten

Fortan stand Laos, formell unabhängig, im Schatten des aggressiven kommunistischen Regimes von Nordvietnam. Durch sein Hügelland wurde der vietnamesische Nachschub in den Süden gebracht. Inmitten des Umbruchs startete die Mission 1954 ein Lepraspital. Die Kinder der Kranken wurden mit biblischen Geschichten vertraut gemacht. 1955 baten die einheimischen Christen Armand Heiniger, in Savannaketh eine Bibelschule zu eröffnen. Die erste Klasse startete mit sechs Teilnehmern. In den folgenden 20 Jahren wurden etwa 130 Leiter ausgebildet. ‚Brot für alle' finanzierte ein Spital (1971 eröffnet) und 1973 einen Neubau für die Bibelschule.

Revolution

1975 ist das Schlüsseljahr für Laos' neuste Geschichte: Die USA zogen sich aus Indochina zurück; nach Saigon fiel Phnom Penh; in Laos machten Studenten in verschiedenen Städten Revolution. Der Sieg Nordvietnams festigte die Stellung des von ihm abhängigen Regimes in Vientiane gegenüber den Völkern des Landes. Von der USA unterstützte Rebellengruppen kämpften weiter; ihre Überreste, noch heute in einer Provinz präsent, verstärken die Neigung des Regimes, alle Autonomie-Regungen und jeglichen Widerstand in den Völkern (besonders bei den Hmong) als Rebellion zu sehen und mit Gewalt zu unterdrücken.

Dabei drangsalieren - so Beobachter - Provinzfürsten Minderheiten manchmal ohne Absprache mit der Zentralregierung; sie foutieren sich scheinbar ungehemmt um die rechtlichen Normen des Landes, welche die Regierung formell an den internationalen Rechtspakten ausgerichtet hat.. Seither herrschen die Kommunisten der Laotischen Revolutionären Volkspartei; andere Parteien lassen sie nicht zu. 1991 wurde eine Verfassung verabschiedet. In den letzten Jahren öffnet sich Laos für Geschäftsleute.

[Wirtschaftlicher Aufbruch]

Bibelschule geschlossen

Die von Elie Sypraseuth geleitete Bibelschule in Savannaketh wurde 1976 von der Regierung geschlossen und konfisziert. Das Gelände hatte wegen seiner Nähe zu einer der drei Mekong-Brücken des Landes strategische Bedeutung. Im Gebäude wurde später die Schule der Schönen Künste eingerichtet. Die Arbeit von Heinigers (bis 1970) und ihren Mitarbeitern war nicht vergebens gewesen: Die 130 ausgebildeten Leiter gaben in der Zeit der Verfolgung, die 1975 begann und bis heute andauert, den christlichen Gemeinden im Süden von Laos Rückgrat. Eine Bibelschule im Land wurde seither nicht mehr zugelassen.

[Ultimatum im dritten Verhör: Die zwei Leben des Elie Sypraseuth]

Mehrheitsreligion als Machtinstrument

Das Regime stoppte nach einigen Jahren die Kollektivierung (die bei der Landbevölkerung nicht ankam) und auch die Attacken auf den Buddhismus; 1975 waren Mönche aus den Klöstern vertrieben worden. Die Herrscher - formell die Regierung, im Hintergrund die Partei - verlegten sich stattdessen darauf, die Buddhisten zu kontrollieren und zu instrumentalisieren, dies auf Kosten der kleinen Religionsgemeinschaften.

Für die Menschen da

Seit langem hat sich die politisch korrekte Zahl von 100'000 Christen eingebürgert. Die Schweizer Mission musste auf ihr Kerngeschäft verzichten, um noch Zugang zu erhalten; in Partnerschaft mit dem Staat betreibt sie - nun unter der Bezeichnung Service Missionnaire Évangélique - einzelne Projekte, darunter ein Spital in Attopeu im äussersten Süden des Landes.

Ausländische Christen werden überwacht und arbeiten ohne langfristige Aufenthaltsgenehmigung. Durch internationale Zusammenarbeit sind gleichwohl kleine Schritte möglich. Grosse Bedeutung hatten in den letzten Jahrzehnten die Radiosendungen der Organisation FEBC, von einem Sender auf den Philippinen ausgestrahlt. Das Wachstum der christlichen Gemeinden im Volk der Hmong (dessen Aspirationen auf Eigenständigkeit die Lao-Herrscher mit Gewalt bekämpfen) wurde durch diese Radiosendungen gefördert. Manche verkauften Tiere, um einen Empfänger zu erwerben.

Fest für alle

In diesen Wochen kommt die revidierte Bibel in der laotischen Amtssprache aus der Presse. Einzelne Exil-Laoten können ihre Heimat besuchen und Kontakte pflegen. Der begrenzte Aktionsradius der Gemeinden treibt sie zur Kreativität. An Weihnachten gibt es da und dort grosse Feste mit Theateraufführungen, zu denen fast die gesamte örtliche Bevölkerung strömt. Jedes Fest muss eigens bewilligt werden. Um die Gäste zu verköstigen, schlachten einige christliche Familien zusammen eine Kuh.

Auch die eingeladenen Beamten schätzen die Mahlzeiten und die Geschenke. In einer Provinz müssen alle Feste in den Dörfern am selben Tag stattfinden, damit die Christen einander nicht besuchen können. Die Behörden bezeichnen die Dörfer, welche Feste haben dürfen. Gemeinden, die ohne behördliche Bewilligung Weihnachten feiern, müssen mit Sanktionen, ihre Leiter mit Verhören, Bussen und Haft rechnen.

Verfolgung

Die politische Entwicklung von Laos seit 1945 ist im Schatten der Kriege um Vietnam und Kambodscha verlaufen. Der Sieg des kommunistischen Nordvietnam 1975 festigte die Stellung des von ihm abhängigen Regimes in Vientiane gegenüber den Völkern des Landes. Von der USA unterstützte Rebellengruppen kämpften weiter; ihre Überreste, noch heute in einer Provinz präsent, verstärken die Neigung des Regimes, alle Autonomie-Regungen und jeglichen Widerstand in den Völkern (besonders bei den Hmong) als Rebellion zu sehen und mit Gewalt zu unterdrücken. Dabei drangsalieren - so Beobachter - Provinzfürsten Minderheiten manchmal ohne Absprache mit der Zentralregierung; sie foutieren sich scheinbar ungehemmt um die rechtlichen Normen des Landes, welche die Regierung formell an den internationalen Rechtspakten ausgerichtet hat.

In den grösseren Städten können sich Christen freier bewegen. Doch bekennende Gläubige werden da und dort verhaftet und massiv unter Druck gesetzt, dem Christentum abzusagen und sich wieder buddhistischen Ritualen zu unterziehen. Anfang des Jahrzehnts war es die Devise der Regierung, alle christlichen Gemeinden zu schliessen; in einigen Provinzen wurde dieses Ziel brutal verfolgt.

Die Verfolgung hält lokal an. Im Juli 2007 gingen die Behörden im Ort Ban Sai Jarern in der an Birma angrenzenden Provinz Bokeo mit Gewalt gegen Christen vor. Dreizehn Personen wurden getötet, Häuser durchsucht und Dutzende festgenommen.

Links zum Thema:
Service Missionnaire Évangélique in Laos
Service Fraternel d'Entraide

Bildergalerie: Eindrücke aus Laos


 

Bilder: Silvain Dupertuis / David Hunzinger

Datum: 12.01.2009
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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