Zeit-Online über Johanes Hartl

«Dr. Sinn oder Sekten-Hartl?»

Einen kritischen Blick wirft Zeit-Online auf den katholischen Theologen Dr. Johannes Hartl unter der Überschrift «Welche Sehnsüchte stillt dieser Mann?». Ein Text voller Vorurteile und mit wenig Information. Ein Kommentar von Norbert Abt.
Johannes Hartl

Einen kritischen Blick wirft Zeit-Online auf den katholischen Theologen und Gebetsleiter Dr. Johannes Hartl unter der Überschrift «Welche Sehnsüchte stillt dieser Mann?». Ein Text voller Vorurteile und mit wenig Information. Ein Kommentar von Norbert Abt.

Der Autor Jonas Weyrosta traf sich mit Dr. Hartl im Augsburger Gebetshaus, setzte sich mit dessen Buch «Eden Culture» auseinander und besuchte eine Veranstaltung Hartls in der Stuttgarter Liederhalle. Der Beitrag erschien in der EKD-Publikation «Christ und Welt» (die Evangelische Kirche ist Herausgeber und die Publikation ist eine Beilage der Print-Ausgabe der Zeit) und ist auch auf Zeit-Online zu lesen.

So etwas nennt sich Vorurteil

Jonas Weyrosta nähert sich Johannes Hartl und seinen Aussagen und vermittelt dabei einen fast durchweg abschätzigen Blick auf den Theologen, ohne diesen jedoch mit harten Informationen zu belegen. – So etwas nennt sich Vorurteil.

In den ersten Zeilen heisst es: «Er (Johannes Hartl) lockt jedes Jahr 50'000 Glücksuchende in sein Gebetshaus. (Anm. der Red.: Beim Wort «locken» erscheint der Rattenfänger nicht weit.). Für die einen ist Bestsellerautor Johannes Hartl Deutschlands aufregendster Sinn-Guru, für die anderen ein gefährlicher konservativer Katholik.»

Reihenweise Etiketten für Dr. Hartl

Weyrosta verleiht Hartl verschiedenste Labels: Bestsellerautor, ge­fähr­li­cher kon­ser­va­ti­ver Ka­tho­lik, Deutsch­lands auf­re­gends­ter Sinn-Gu­ru, frommer Sonderling... So changiert der Journalist in seinem Text zwischen Positiv- und Negativ-Labeln. Formulierungen wie «Für die einen... für die anderen...» oder «Einerseits... andererseits...» sind ganz typisch für die Darstellung in dem Text mit Reportageelementen.

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass der Beitrag überhaupt nicht informiert, aber er ist im Grundduktus zu oberflächlich und geringschätzig gegenüber dem Theologen: «Jo­han­nes Hartl ist Lin­gu­ist, pro­mo­vier­ter Theo­lo­ge, Künst­ler, Au­tor, ein Vor­trags­rei­sen­der. Er ist auch Ehe­mann, Va­ter, Rei­hen­eck­haus­be­sit­zer und Tee­trin­ker. Und Ka­tho­lik. Spä­tes­tens da wird es aber zu­min­dest für ei­ni­ge im Glau­bens­kos­mos schon schwie­ri­ger mit die­sem Mann. Er gilt ei­ner­seits als from­mer Son­der­ling, der den Kir­chen Gläu­bi­ge ab­gräbt und in ei­ne frei­kirch­li­che Sek­te führt. Mit viel Mu­sik, lau­tem Lob­preis und schmu­cken Ver­an­stal­tun­gen. Kein Kir­chen­muff. Kein Theo­lo­gie­bal­last.»

Was unausgesprochen bleibt

Zusammengefasst entsteht so folgender Eindruck: Der Journalist erkennt an, dass Hartl sich gut zu äussern und darzustellen weiss, ein Mann, der intelligent und auch unterhaltsam sein mag und nicht in die üblichen Schubladen passt. Doch alles in allem bleibt ihm der Gebetsleiter suspekt, gedanklich fern, zu unkonkret und fragwürdig. Auch die Worte «gefährlich» und «Sekte» und andere nicht so charmante Betitelungen fallen, die zumeist nicht von Weyrosta stammen, sondern von Kritikern, die nicht genauer genannt werden, genau so wenig wie die Gründe für diese Urteile.

Zu einigen Einschätzungen fehlen harte Fakten

Die oben erwähnte Darstellung «Er gilt ei­ner­seits als from­mer Son­der­ling, der den Kir­chen Gläu­bi­ge ab­gräbt und in ei­ne frei­kirch­li­che Sek­te führt» bleibt völlig unbelegt. Denn die meisten Christen, die Hartl anspricht, sind in ihrer Heimatgemeinde engagiert, sind ehrenamtlich Mitarbeitende. Hartl kann nicht in eine Sekte führen, weil er gar keine Anlaufstelle, kein Zuhause anbietet. Vielmehr macht er Christen Angebote mit Veranstaltungen, Vorträgen und Publikationen und ist nicht darauf ausgerichtet, Interessierte aus ihrer Herkunftskirche abzuziehen.

So bleibt der Vorwurf eines Mannes, «der den Kirchen Gläubige abgräbt», unbegründet und geht an der Wirklichkeit völlig vorbei; es ist mehr Vorurteil als Information. Das gilt auch für die wiederholt eingesetzte, aber inhaltlich nicht begründete, Wortkeule «Sekte».

Gott und Glaube sind nur am Rand ein Thema

Deutlicher wird Jonas Weyrosta, als es um die Rhetorik von Hartl geht: «Ei­ni­ge der Sät­ze von Hartl kom­men ei­nem manch­mal vor wie Kof­fer. Man kann sie ein­fach mit­neh­men, meis­tens kann man sie aber auch fül­len, wo­mit man möch­te. Ent­frem­de­tes Ar­bei­ten, un­ge­brems­tes Wachs­tum, ver­ein­sam­tes Le­ben, zer­stritte­ne Ge­sell­schaf­ten, aus­ein­an­der­fal­len­de Wahr­hei­ten – al­les viru­len­te The­men. Aber man wird eben auch nach zwei Stun­den Ge­spräch und der Lek­tü­re die­ses Bu­ches den Ein­druck nicht ganz los, dass sich die­se Pro­ble­me nicht mit ne­bu­lö­sen Be­grif­fen er­le­di­gen las­sen. Hartl sagt: «Mein An­satz ist eben kein po­li­ti­scher. Mir geht es um die tie­fer lie­gen­den Ebe­nen mensch­li­chen Le­bens.»

Problematisch ist der Artikel nicht, weil er Dr. Hartl kritisiert; es geht vielmehr um die Art und Weise, wie es geschieht: Das Spiel mit Vorurteilen oder Ansprechen von Ängsten mit dem Begriff «Sekte», der inhaltlich nicht begründet wird. Der Text verzichtet darauf, das Glaubensverständnis und Gottesbild von Dr. Hartl zu thematisieren. Natürlich kann ein solcher Beitrag keine tiefgründige theologische Darstellung bieten. Aber eine Auseinandersetzung mit den Aussagen Hartls zu Gott, dem Sinnstifter, zum Glauben und zu Fragen des Frömmigkeitsstils wären für einen Beitrag für «Christ und Welt», einer Publikation der EKD, angemessen und das sollten Leserinnen und Leser von dem Medium auch erwarten dürfen.

Zweierlei Enttäuschung

Alles in allem bleibt der Artikel, nicht zuletzt im Hinblick auf seine Länge, inhaltlich viel zu oberflächlich Es dominieren Beobachtungen des Autors, die eher dessen Voreingenommenheit erkennen lassen, als Sachinformationen zu bieten. Das wird auch an einem nebensächlichen Punkt erkennbar: Weyrosta ärgert sich offensichtlich über den Ort seines Gesprächs mit Johannes Hartl und schreibt: «Statt auf ei­nem Spa­zier­gang im Grü­nen re­den sie in ei­nem win­zi­gen knall­pin­ken Zim­mer mit sti­cki­ger Luft.» Doch leider enttäuscht und verärgert auch der Artikel, denn er bietet eher subjektive Beobachtungen als Informationen und eine ernstzunehmende Auseinandersetzung.

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Artikel von Zeit

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Datum: 26.11.2021
Autor: Norbert Abt
Quelle: Livenet / Die Zeit

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