Christliche Solidarität

Oman: Evangelische ermöglichen orthodoxen Kirchenbau

Die Einweihung einer orthodoxen Kirche im Sultanat Oman eröffnet einen Blick in die interessanten Vernetzungen, in denen Christen in einer speziellen muslimischen Kultur leben.

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Christlicher Gottesdienst im Oman
Mit dem Juni-Besuch von Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. im Sultanat Oman ist die syrisch-orthodoxe Kirche in eines ihrer frühen Missionsgebiete zurückgekehrt: Sie war dort zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert im Zug eines Verkündigungswerkes in ganz Asien verbreitet, bis der Islam ihrem Bestehen auf der Arabischen Halbinsel ein Ende setzte.

Eine Besonderheit: Oman und die Ibaditen

In Oman setzte sich aber um 800 eine Sonderform des islamischen Glaubens durch, die Ibaditen. Sie betrachteten sich als die einzigen wahren Muslime, verhielten sich feindselig zu Sunniten und Schiiten, zeichneten sich aber durch Freundlichkeit gegenüber anderen Religionen einschliesslich der Christen aus: Als die Portugiesen den Seeweg nach Indien entdeckten, an dem nun auch Oman lag, durften sie in der Hauptstadt Maskat eine prächtige, Augustinus geweihte Kirche errichten: die Igreja de Santo Agostinho.

Später erbte das Sultanat Oman einen grossen Teil des Kolonialreichs der Portugiesen am Indischen Ozean. Es reichte bis nach dem heutigen Pakistan und Tansania, es betrieb Handel und war so nach aussen orientiert, Dieser Blick aufs Meer hat sich – vom Ibadismus abgesehen – bei den Omanis in einem offeneren Charakter als bei anderen Muslimen niedergeschlagen.

Tausende Christen aus Indien und Syrien

In den letzten Jahren kamen dann mit den fast zwei Millionen ausländischen Arbeitskräften – fast so viele wie Omans einheimische Bevölkerung – auch an die 20'000 syrisch-orthodoxe Christen von Indien – wo die Mission aus Syrien Bestand hatte – in das Sultanat. Dazu fanden sich ab 2011 im Verlauf des syrischen Bürgerkrieges auch einige Tausend dieser «Syrianer» ein, vor allem aus der Gegend von Homs. Für sie weihte der Patriarch nun in der Hauptstadt Maskat die Kirche Mart Shmouni (die Mutter der alttestamentlichen Jünglinge im Feuerofen). Dabei assistierte ihm der Oberhirte der syrischen Orthodoxen in Indien, Katholikos Mor Baselios Thomas I., gleich neben der evangelischen Kirche, einem schlichten Bau aus Beton mit einem grossen Kreuz hinter dem Altar.

Gastfreundschaft evangelischer Christen

Den Baugrund für die Kirche hatten die evangelischen Christen von Maskat auf dem ihnen zugewiesenen Gelände von Ghala zur Verfügung gestellt. In Oman herrscht für Christen Kultfreiheit, allerdings auch ein Missionsverbot. Der Bau von Kirchen ist grundsätzlich gestattet, aber mit vielen Formalitäten verbunden. Das evangelische Entgegenkommen im bereits für kirchliche Zwecke gewidmeten «Compound» von Ghala hat daher den syrianischen Kirchenbau um zwei bis drei Jahre beschleunigt. Dort sind schon 21 protestantische Denominationen von den Anglikanern bis zu amerikanischen Kongregationalisten vertreten.

Diese christliche «Zone» im ibaditischen Oman ist aus einem alten englischen Soldatenfriedhof hervorgegangen. Sie ist Gemeinschaftsbesitz von 60 evangelischen, katholischen und orthodoxen Gemeinden. Der anglikanische Pfarrer Chris Howitz ist mit der Koordination beauftragt. Neben seiner eigenen Community betreut er noch vier andere evangelische Gruppen, die in Oman keinen eigenen Pastor haben.

Oman zählt 64'000 Christen

Insgesamt leben heute in Oman 64'000 Christen. Die meisten von ihnen sind evangelisch oder orientalisch-orthodox. Rund 3'000 von ihnen sind Katholiken, die über das ganze Land verstreut 21 Gemeinden bilden. Sie gehören zum Apostolischen Vikariat südliches Arabien und wird von Bischof Paul Hinder, einem Schweizer Kapuziner aus Bussnang TG, geleitet.

Zum Thema:
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Datum: 13.06.2018
Autor: Heinz Gstrein / Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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