Hoffnung für Nigeria

Auf den Friedensbaum steigen

In der Region von Jos in Zentralnigeria (wo Christen in Angst leben) wollen junge Nigerianer – Muslime und Christen – miteinander auf den «Friedensbaum» steigen. Sie setzen damit eine Idee der Amerikanerin Carmen McCain für eine friedliche Entwicklung um.
Carmen McCain mit der nigerianischen Schauspielerin Rasheeda Adamu

Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas stehen Christen und Muslime einander gegenüber. Nördliche Provinzen haben die Scharia eingeführt. Aktuell versuchen Politik und Justiz, den mörderischen Umtrieben der islamistischen Bewegung Boko Haram beizukommen - ohne Erfolg.

McCain richtet ihren Blick auf den länger dauernden Konflikt in der zentralen Plateau-Provinz mit der Hauptstadt Jos. Dort wird das christlich geprägte Berom-Volk von wandernden Hirten islamischer Stämme bedrängt. Nach mehreren Attacken hat der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan Mitte September den Armeestabchef Petirin nach Jos entsandt. 

Blätter und Stamm verraten nicht alles

Der Konflikt-Baum von Jos hat Wurzeln, schreibt der Journalist Kingsley Madueke in einem Beitrag für die einheimische Zeitung «Daily Trust»: Der Polarisierung lägen mehrere tiefliegende Ursachen zugrunde. Man dürfe sie nicht auf einen Faktor zurückführen, betont die Literaturwissenschaftlerin, die derzeit als Doktorandin in Kano nordnigerianische Filme sichtet.

Wer den Stamm des Baums ansehe (den sichtbaren Gegensatz zwischen christlichen und muslimischen Gemeinschaften), komme Lösungsansätzen auch nicht näher. Es genüge nicht, die seit den Massakern von 2001 anhaltende Krise zu beenden, wenn der tieferliegende Konflikt fortdauere.

Frieden ist mehr als Absenz von Gewalt

Carmen McCain fordert Bemühungen nicht nur um die Wiederherstellung von Recht und Ordnung, sondern um Frieden, um «Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Entwicklung». Nüchtern gesehen verlieren in einem Gewaltkonflikt beide Seiten.

Die engagierte Beobachterin klagt, dass die meisten Befriedungsversuche dem Abreissen von Blättern eines Baums gleichen – und man hoffe, der Baum sterbe dann ab. Doch sogar wenn der Stamm umgehauen würde, würde der Stumpf wieder ausschlagen.

Vertrauen aufbauen

McCain schlägt kurzfristige Massnahmen vor, die weitere Gewaltakte verhindern sollen (im Bild: Bei den Blättern ansetzen). Mit Fahrzeugkontrollen sollen etwa Waffentransporte unterbunden werden. Als mittelfristige Massnahmen, auf Zweige und den Stamm des Baums gerichtet, sieht die Beobachterin innovative Kampagnen zur Friedenserziehung.

«Christliche und muslimische Jugendliche müssen bei den Kampagnen zusammenarbeiten.» Um den Konfliktbaum vollends in einen Friedensbaum zu verwandeln, fordert McCain das «Pflanzen und Hegen von gegenseitigem Vertrauen und Verständnis». Alle sollen lesen lernen.

Zum Thema:

Datum: 22.09.2011
Quelle: Livenet / Daily Trust

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