Fünf Jahre danach

Nun stehen Hintermänner der Malatya-Morde im Fokus

Heute vor fünf Jahren, am 18. April 2007, wurde der deutsche Pastor Tilman Geske im türkischen Malatya brutal ermordet. Jetzt sollen auch die Anstifter der Bluttat zur Rechenschaft gezogen werden. Ein Hoffnungsschimmer für Ehefrau Susanne Geske – nach 37 zermürbenden Gerichtsterminen.
Buch Susanne Geske
Familie Geske

Sie waren zwischen 18 und 20 Jahre jung und gaben vor, etwas über die Bibel lernen zu wollen, als sie das moderne Bürogebäude im muslimischen Malatya betraten. Der deutsche Pastor Tilman Geske, 46, und zwei türkische Kollegen des kleinen christlichen Zirve-Verlags bezahlten diese Bibel-Lektion mit ihrem Leben. Nach stundenlanger Folter hatten die fünf Jugendlichen den drei gefesselten Christen kaltblütig die Kehlen durchgeschnitten. Die Täter wurden noch am Tatort verhaftet, die Hintermänner waren in den Ermittlungen jedoch jahrelang kein Thema.

Nebulöses Netzwerk

Durch eine vor wenigen Tagen eröffnete Nachtragsanklage sollen jetzt auch die Drahtzieher des Malatya-Massakers auf die Anklagebank gebracht werden, berichtet tagesschau.de. Es werde vermutet, dass der sogenannte «Tiefe Staat» hinter den Morden stecken könnte – ein undurchsichtiges Netzwerk von Sicherheitskräften, Politik, Justiz und organisiertem Verbrechen. Susanne Geske und ihr Anwalt Erdal Dogan setzten grosse Hoffnungen in das laufende Verfahren. Für die dreifache alleinerziehende Mutter sei es der 38. Gang ins Gericht.

Die gelernte Keramikerin erklärte, dass das Klima in der 500‘000 Einwohner-Stadt Malatya Christen gegenüber offener und liberaler geworden sei. Die Menschen würden ihr freundlich begegnen. Noch immer habe sie nicht vor, nach Deutschland zurückzukehren. 

Nicht vergessen, aber vergeben

Susanne Geske hatte zwei Tage nach dem Mord an ihrem Mann für Aufsehen gesorgt, als sie öffentlich verkündete, den Mördern vergeben zu haben.

Ebenfalls unter die Haut ging, als Susanne Geske schilderte, was ihre Tochter Miriam, 11, gesagt hatte: «Mutti, lass uns die Mörder im Gefängnis besuchen und ihnen ein Neues Testament bringen, so dass sie die christliche Botschaft erkennen und in der Ewigkeit die Ermordeten um Verzeihung bitten können.»

Buch zum Geschehen:
Susanne Geske: «Ich will keine Rache»: Das Drama von Malatya

Zum Thema:
Bericht der Tagesschau

Auf der Suche nach Hintermännern

Datum: 19.04.2012
Autor: Manuela Herzog
Quelle: livenet.ch / tagesschau.de

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