Nachfolge

«Nice to have» oder unverzichtbar?

Alle Christinnen und Christen glauben, aber scheinbar folgen nur die «Profis» unter ihnen, die es wirklich ernst meinen, Jesus tatsächlich nach. Stimmt das? Die Bibel zeigt ein anderes Bild. Hier gehören Glaube und Nachfolge untrennbar zusammen.
Nachfolge

Alle Christinnen und Christen glauben, aber scheinbar folgen nur die «Profis» unter ihnen, die es wirklich ernst meinen, Jesus tatsächlich nach. Stimmt das? Die Bibel zeigt ein anderes Bild. Hier gehören Glaube und Nachfolge untrennbar zusammen.

In vielen Orten in Deutschland findet man kleine Gedenktafeln: «Goethe war hier.» Entweder lebte der prominente Dichter eine Weile dort, übernachtete einmal oder ist wenigstens durchgereist. Damit wird das Bild vermittelt: Der Mann war viel unterwegs. Ähnliches gilt für den christlichen Glauben. Nicht, dass in jeden Ort ein Gedenktäfelchen gehören würde, aber Jesus war permanent unterwegs. Während seines Dienstes legte er in seinem kleinen Land mehrere tausend Kilometer zurück und lief wahrscheinlich einige Sandalen durch. Kein Wunder, dass er seine Freunde zur «Nachfolge» aufforderte (Matthäus Kapitel 9, Vers 9) und die ersten Christen als Menschen «auf dem Weg» bezeichnet wurden (Apostelgeschichte Kapitel 9, Vers 2). Doch wofür steht Nachfolge eigentlich heute? Und in welcher Beziehung steht sie zum Glauben?

Jetzt bleibt zusammen, was zusammengehört

Manchmal klingt der Begriff Nachfolge nach einem zweiten Schritt, der einem Start im Glauben folgen kann, aber nicht muss. In diesem Zusammenhang rufen Christen dazu auf, Jesus «nicht nur als Heiland, sondern als Herrn» anzunehmen. Doch das ist irreführend. So wie Bekehrung und Wiedergeburt biblische Bilder für dasselbe Ereignis sind, so ist auch Nachfolge nicht die Steigerung des Glaubens, sondern nur eine andere Sicht auf den gleichen Zusammenhang.

Beide Begriffe kommen im Neuen Testament häufiger vor. Betont wird dabei eher der Glaube. Das ist klar vor einem jüdischen Hintergrund, der sehr «tatlastig» war. So forderte Paulus mehrfach dazu auf, sich nicht aufs Tun zu verlassen, sondern die Einstellung dahinter in den Blick zu nehmen – den Glauben: «So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes» (Römer Kapitel 3, Vers 28). Heute ist die Situation anders. Das Denken findet nur noch im Kopf statt, und Glaube ist Privatsache geworden. Deshalb muss Verkündigung heute stärker dazu einladen, Jesus nachzufolgen. Trotzdem ist damit letztlich nichts Anderes gemeint als an Jesus zu glauben und ihm nachzufolgen. Beides. Zusammen.

Der Fokus ist tun

Über die Jahrhunderte ist in der Beziehung von Glaube und Nachfolge ein Schwerpunkt gewachsen, der sich immer stärker in Richtung Glaube verschob. So enthalten die Glaubensbekenntnisse der Christenheit naturgemäss nur Informationen darüber, woran diese glaubt: «Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen …». Dabei ging es allerdings zunächst um die Abgrenzung von anderen, augenscheinlich falschen, Denkmustern.

Die Bibel kennt keinen «Glauben im Reagenzglas», der separat vom Leben betrachtet werden könnte. Das Leben, die Nachfolge, gehört immer dazu. Ein Arbeitsbuch über Dietrich Bonhoeffer und sein bekanntes Werk «Nachfolge» fasst dies so zusammen: «Am Schluss seiner Ausführungen zur Bergpredigt kommt Bonhoeffer zum 'ethischen Imperativ'. Das Wort Jesu behält nur dann seine Ehre als göttliches Wort, wenn es in konkrete Taten umgesetzt wird. Das ist Nachfolge. Damit ist gleichzeitig die Gefahr eines Christseins genannt, die darin besteht, dass das Wort nur in weitere Worte umgesetzt wird. Der hohe Anspruch der Bergpredigt besteht nicht darin, sie wörtlich 'umzusetzen', sondern im situationsbezogenen, unbedingten Handeln. Für den Christen ist das keine beliebige Entscheidung.»

Unterwegs mit Jesus – vorläufig und vorbildlich

Neben dem Aspekt, dass Glaube in der Nachfolge praktisch wird, bietet das Unterwegssein mit Jesus noch weitere Perspektiven.

Unterwegssein ist immer vorläufig. Als Nachfolger von Jesus orientieren wir uns zwar an ihm, aber wir sind noch nicht «angekommen». Diese Vorläufigkeit, das Ausprobieren, das nicht immer sichere Wissen, beschreibt Paulus einmal als Rätsel des Christseins: «Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin» (1. Korinther Kapitel 13, Vers 12).

Unterwegssein hat aber auch Vorbildcharakter. Andere sehen, wem wir nachfolgen. Und sie sehen, wie wir das tun. Das kann abstossen. Aber es kann auch sehr attraktiv und einladend sein. «Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt» (Johannes Kapitel 13, Vers 35).

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Datum: 27.10.2021
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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