Aktion Weihnachtspäckli 2021

«Die Not hat sich noch einmal verschärft»

«Wenn es hier schon schwierig ist, wie viel mehr in den Ländern Osteuropas», sagt Patrick Pfander, Projektleiter der «Aktion Weihnachtspäckli» im Interview mit Livenet. Im vergangenen Jahr kamen 116'000 Pakete zusammen.
Aktion Weihnachtspäckli
Aktion Weihnachtspäckli
Patrick Pfander

«Wenn es hier schon schwierig ist, wie viel mehr in den Ländern Osteuropas», sagt Patrick Pfander, Projektleiter der «Aktion Weihnachtspäckli» im Interview mit Livenet. Im vergangenen Jahr kamen 116'000 Pakete zusammen. Nun wartet die Ausgabe 2021.

Patrick Pfander, die Aktion Weihnachtspäckli geht ins zweite Corona-Jahr – was sind Ihre Erwartungen an die aktuelle Aktion?
Patrick Pfander: Das letzte Jahr war sehr unsicher. Niemand wusste genau, wie viele Päckli wir tatsächlich erhalten werden, ob mit den Transporten alles funktionieren wird und so weiter. Dieses Jahr scheint es einfacher zu sein. Die Leute haben sich an die Situation gewöhnt und es gibt wieder mehr Möglichkeiten, Päckli zu sammeln. Auch die Transporte haben sich eingespielt und wir sind zuversichtlich, dass wir die Päckli auch dieses Jahr an die Orte bringen können. Momentan nehmen die Infektionszahlen in der Ukraine, Moldawien und Rumänien stark zu, viele Krankenhäuser sind total überlastet. Es gibt nun auch wieder mehr Restriktionen, die die Verteilung negativ beeinflussen könnten. Wenn beispielsweise Schulen geschlossen bleiben oder Gottesdienste eingeschränkt werden, können wir dort keine Päckli verteilen. Es bleiben also viele Fragen offen für dieses Jahr. Wir sind aber hoffnungsvoll und erwarten, dass wir auch dieses Jahr Päckli verteilen können, den Menschen im Osten dienen und ihnen etwas Gutes tun – besonders in dieser schwierigen Zeit. Wir hoffen auf gleich viele Päckli wie letztes Jahr – und wenn es mehr sind, freuen wir uns natürlich umso mehr!

Was muss im laufenden Jahr besonders beachtet werden?
Wie jedes Jahr muss unbedingt die Packliste beachtet werden. Es dürfen keine anderen Artikel im Päckli sein, auch wenn diese Dinge noch so nützlich sind. Am Zoll wird teilweise sehr genau kontrolliert, es werden Stichproben gemacht. Wenn etwas Falsches im Päckli ist, haben unsere lokalen Partner grosse Probleme. Grundsätzlich ist wichtig, dass sich die Helfer bestmöglich schützen und bei grösseren Sammlungen sollte man ein Schutzkonzept haben. Ansonsten gibt es keine speziellen Regeln zu beachten.

Wie geschieht die Verteilung im laufenden Jahr – können Menschen aus dem Westen dabei sein?
Im Vergleich zum letzten Jahr wird dieses Jahr – voraussichtlich – alles wieder etwas «normaler» sein. Der Grossteil der Päckli wird, wie immer, über unsere lokalen Partner im Osten verteilt. Diese Leute kennen die Situation vor Ort, haben Kontakt zu Behörden und wissen, wo die Bedürftigen leben. Dieses Jahr haben wir auch wieder Verteilreisen geplant, die Gruppen reisen aus der Schweiz nach Moldawien, Rumänien und in die Ukraine, um dort mit unseren lokalen Partnern die Päckli zu verschenken. Es haben sich rund 50 Leute angemeldet. Das sind etwas weniger als sonst, aber wir sind sehr dankbar, dass so viele Menschen bereit sind, unter diesen Umständen die Päckli zu verteilen.

Wie ist die Aktion im vergangenen Jahr eigentlich verlaufen, was war anders im Corona-Jahr?
Die grosse Unsicherheit war am Anfang sehr zermürbend. Niemand wusste, wie sich die ganze Situation entwickeln würde. Im Sommer haben wir dann einen Aufruf gemacht mit dem Slogan «Jetzt erst recht». Wenn es hier schon schwierig ist, wie viel mehr in den Ländern Osteuropas. Das hat die Menschen sehr berührt und so konnten wir diese unglaublichen 116'000 Päckli zusammenbringen. Es gab viele Gruppen, die sehr kreativ waren und trotz Einschränkungen Päckli-Aktionen durchgeführt haben. Auch die Transporte haben erstaunlich gut funktioniert. Leider konnten keine Verteilteams in die Länder reisen, um dort bei der Verteilung mitzuhelfen. Aber unsere Partner haben einen unglaublichen Dienst geleistet, die Päckli trotz allen Widrigkeiten verteilt und das Evangelium verbreitet.

Wie haben sich die Bedürfnisse in den Zielländern verändert?
Die Not bei der Bevölkerung hat sich nochmals verstärkt. Die Pandemie hat nicht nur vielen Menschen das Leben gekostet oder ihre Gesundheit beeinträchtigt, auch die Wirtschaft leidet enorm. Die Lockdowns waren teilweise sehr lange, Menschen haben ihre Arbeitsstellen verloren. In diesen Ländern gibt es kaum staatliche Leistungen. Wenn du keinen Job hast, verdienst du auch nichts. So einfach ist das. Jetzt hat eine Teuerungswelle die Länder ergriffen. Lebensmittel und Benzin werden immer teurer, die Gaspreise sind gar explodiert. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Gaspreise um 161 Prozent. Das dämpft die Wirtschaft und die Kaufkraft der Bevölkerung noch mehr. Die Päckli sind also sehr gefragt. Viele Familien können sich keine Weihnachtsgeschenke leisten für ihre Kinder. Da ist ein Päckli aus der Schweiz etwas ganz Besonderes. Die Erwachsenenpäckli bestehen hauptsächlich aus Lebensmittel. Dies ist für arme und ältere Menschen eine grosse Entlastung.

Was ist Ihr Herzensanliegen?
Unser grosses Anliegen ist, dass die Menschen wissen, dass sie nicht vergessen sind. Da gibt es Menschen aus der Schweiz, die sie zwar nicht kennen, aber die an sie denken. Und da ist besonders unser himmlischer Vater, der sie nicht vergessen hat und jedem Menschen Glaube und Umkehr anbietet. Die Päckli werden einmal aufgebraucht sein, aber das Evangelium soll bleiben. Es ist diese Botschaft, die wirklich Veränderung und wirkliche Hoffnung schaffen kann. Das Päckli ist ein Zeigefinger auf Gott hin. Das motiviert uns, viel Energie für diese Aktion einzusetzen.

Wie ist die Aktion in den vergangenen Jahren gewachsen; eine Weile lang gab es ja immer wieder neue Paket-Rekorde?
Die Aktion wächst immer mehr. Vor zehn Jahren waren es 86'400 Päckli, 2017 100'900 und letztes Jahr 116'000. Dafür sind wir enorm dankbar. Mit immer mehr Päckli kommt auch immer mehr Arbeit, aber die Aktion ist gut abgestützt und so finden wir immer viele fleissige Helfer. Aber auch wenn wir dieses Jahr weniger sammeln sollten: Jedes Päckli ist wertvoll und kann einen Unterschied in einer Familie oder für eine ältere, alleinstehende Witwe sein. Das ist unser grösster Antrieb, nicht immer mehr Rekorde! 

Zur Webseite:
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Datum: 24.11.2021
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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