Christen in Pakistan

«Wir feiern jedes Weihnachten, als wäre es unser letztes Mal»

Diese Weihnachten haben es einige christliche Familien vermieden, gemeinsam einen Gottesdienst zu besuchen, um Terroranschlägen vorzubeugen. In den vergangenen Jahren waren Christen am Fest der Feste verschiedentlich angegriffen worden.
Christen in Pakistan (Symbolbild)

Diese Weihnachten haben es einige christliche Familien vermieden, gemeinsam einen Gottesdienst zu besuchen, um Terroranschlägen vorzubeugen. In den vergangenen Jahren waren Christen am Fest der Feste verschiedentlich angegriffen worden.

Die Christen in Pakistan haben guten Grund, Angst zu haben und zu solchen Taktiken zu greifen, denn in der Vergangenheit haben wiederholt Selbstmordattentäter Gottesdienste angegriffen und zahlreiche Menschen getötet.

Vorsorge für den schlimmsten Fall

Ein Partner des christlichen Werks «Release International» sagte gegenüber «Christian Today», dass einige Familien die Entscheidung getroffen haben, nicht gemeinsam den gleichen Weihnachtsgottesdienst zu besuchen, sondern zu unterschiedlichen Anlässen zu gehen – dies aus dem traurigen Grund, dass im Falle eines Angriffs einige Familienmitglieder überleben würden. «Die Hälfte der Familie geht zum Mitternachtsgottesdienst und die andere Hälfte zum Hauptgottesdienst, weil sie nicht alle sterben wollen», erklärt Waseem Khokhar von «Release International». Die Aufteilung auf die Gottesdienste sei eine vernünftige Massnahme, so Khokhar: «Wenn – Gott bewahre – etwas passiert, dann bleibt wenigstens eine Person übrig, die sich um die Kinder kümmert.»

Sicherheit ist ein grosses Problem

Khokhar erklärt weiter, dass die Sicherheit der Christen in Pakistan ein grosses Problem sei. Ausserdem sind viele pakistanische Christen arm, vor allem in den ländlichen Gebieten. Einige werden als Zwangsarbeiter in Ziegelbrennereien versklavt. Aus diesem Grund besteht ein grosser Teil der Weihnachtsaktion der Kirchen in der Bereitstellung von Lebensmitteln und anderen Gütern, um Grundbedürfnisse abzudecken.

«Viele haben keine richtige Kleidung», sagt Khokhar. «Manche sagen, sie hätten noch nie in ihrem Leben etwas Gutes gegessen. Deshalb geben wir ihnen ein Weihnachtsessen. Wenn wir an Weihnachten keine christliche Liebe weitergeben, handelt es sich nicht um ein richtiges Weihnachtsfest.»

Trotzdem bleiben

Trotz der Bedrohung ihres Lebens seien viele Christen entschlossen, im Land zu bleiben. Dazu Waseem Khokhar vom christlichen Werk «Release International»: «Es gibt einige islamistische Gruppen, die meinen, die christliche Minderheit habe kein Recht, in Pakistan zu leben. Aber wir glauben, dass Gott uns trotz der Diskriminierung, der Verfolgung und der Schwierigkeiten hier haben will, um ihn zu bezeugen. Und wir sind bereit, für ihn zu sterben.»

Die Christen in Pakistan würden jedes Jahr Weihnachten feiern, als wäre es das letzte Mal. «Es gibt so viel Ungewissheit – aber wir feiern immer Weihnachten. Wir vertrauen auf den Herrn. Wir glauben, dass er unser Beschützer, unser Bollwerk und unsere Festung ist. Aber wir bitten auch darum, für unsere Sicherheit zu beten, während wir unsere Weihnachtsgottesdienste und unsere öffentlichen Treffen abhalten. Wir legen dies in Gottes Hände.» 

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Datum: 26.12.2021
Autor: Jennifer Lee / Daniel Gerber
Quelle: Christian Today / Übersetzung: Livenet

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