Stefan «Sent» Fischer

«Ich war grössenwahnsinnig»

Im Alter von sieben Jahren lernt er Geige. Aber Stefan Fischer (31) hat musikalisch noch mehr auf dem Kasten. Er beginnt zu rappen, nennt sich Sent und hat Erfolg. Dieser steigt dem studierten Theologen zu Kopf – und lässt ihn tief sinken. Heute zweifacher Papa und Pastor, erzählt Sent, wie er wieder auf die Beine und Bühne fand und was ihm Beziehungen bedeuten.

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Stefan «Sent» Fischer ist nun Pastor und Dozent am ISTL.
Stefan Fischer wird 1986 in Aarau geboren. Er wächst mit zwei Geschwistern, einem Pflegebruder und vielen Tageskindern behütet auf. Die Eltern leben den christlichen Glauben authentisch, aber ohne viele Worte darüber zu verlieren. Worte – die sind umso mehr Stefans Welt. Und Töne. Siebenjährig lernt er Geige, spielt zum Ausgleich Unihockey. Überall ist er gut, verschlingt ein Buch nach dem anderen. Achtjährig hat Stefan bereits die ganze Bibel durchgelesen. Was es mit diesem Buch auf sich hat, begreift er mit 13 Jahren in einem Lager: «Damals ist mir ganz krass eingefahren, was der Tod von Jesus am Kreuz, was diese Vergebung für mich persönlich bedeutet und dass ich mich entscheiden muss. Ich habe dann mit einem Leiter gebetet und Jesus in mein Leben eingeladen.»

Bibel, Beats und Buchstaben

Nach der Kantonsschule steht die nächste Entscheidung an: Sport, Musik oder Theologie? Der Unihockeyschläger landet im Keller, die Fidel ist ihm viel zu brav. Aus seiner Kirche weiss Stefan von einem Ehepaar, das in Brasilien mit Indianern zusammenlebt, um die Bibel in deren Sprache zu übersetzen. Das fasziniert ihn: «Mein Weg schien mir klar: Ein halbes Jahr Praktikum in Brasilien, dann vier Jahre Studium an der STH (Staatsunabhängige Theologische Hochschule Basel), um Bibelübersetzer zu werden.» Die Zeit bei den Indianern ist spannend und lehrreich. Doch schon auf dem Rückflug spürt Stefan, dass sein Platz in der Schweiz ist. Auch den künftigen Job als Pastor und sein Studium stellt er plötzlich in Frage. Irgendwie müssen sich Theologie und Musik doch verbinden lassen… am liebsten durch Rappen. Mit 17 hat er damit begonnen, praktiziert den Sprechgesang leidenschaftlich und gehört dazu, ganz ohne hängende Hosen. Trotz aller Zweifel besucht er die STH.

Hochmut kommt vor dem Fall

Stefan, der sich den Künstlernamen Sent verpasst hat, kommt 2006 in Kontakt mit dem christlichen Hip Hopper und Sozialarbeiter Gleam Joel. Dieser führt in Baden die Jugendkirche «Gleam Living Church» und die Rap-Schule «Gleam Center». Der gebürtige Kenianer ist von Sent begeistert. Einen mit diesem Background hat er gesucht. Zusammen mit 120 Jugendlichen aus zum Teil prekären Verhältnissen bringen die beiden im Januar 2009 das Musical «Underground» auf die Bühne, touren damit durch die Schweiz. Die Story mit wahren Wurzeln dreht sich um Drogen, Suizid und Gewalt. Sie berührt die Besucher querbeet – bis hin zum Bundesrat. Es ist eine ganz grosse Kiste! Und sie soll – wenn es nach Sent und Gleam geht – noch grösser werden. Doch schon im Sommer ist Schluss. Alles kracht zusammen.

Besinnung in den Bergen

Sent ist am Boden zerstört, versteht die Welt, sich selbst und Gott nicht mehr. Er zieht sich ein paar Tage in die Berge zurück, um mit Gott zu reden. Sent erzählt: «Gott hat mir detailliert aufgezeigt, was schieflief. Ich habe viele Fehler gemacht, falsche Entscheidungen getroffen und Menschen verletzt. Am Schluss hatte ich 35 Namen von Menschen, bei denen ich mich entschuldigen musste. Ich wusste, das würde hart werden. Aber Gott hat mich nicht angeklagt. Im Gegenteil, ich erhielt die Gewissheit, dass etwas Neues entstehen, dass er den Weg mit mir weitergehen würde.»

Reim und Rhythmus

In der Folge trennen sich Sent und Gleam. Letzterer fokussiert sich im In- und Ausland auf seine musikalische Karriere. Aus der «Gleam Living Church» wird die «Living Church». Es braucht seine Zeit, bis die Mitarbeitenden wieder Vertrauen fassen. Heute freut sich der Pastor und Papa zweier Mädchen (2 und 4) sehr an seiner Gemeinde. Ein Richtungswechsel hat stattgefunden, die Treffen finden häufiger in den Häusern statt: «Wir möchten weniger programm-, sondern mehr beziehungsorientiert leben», erklärt Sent. «Wir wollen unseren Nachbarn und Freunden dort begegnen, wo sie sind und ihnen ganz praktisch helfen.» Sent rappt noch immer, aber lässt die Beats in den Boxen. «Spoken Words» nennt sich dann das Ganze – predigen mit Reim und Rhythmus. Damit tritt Sent auch auf. Daneben bringt er beim Bibellesebund für junge Erwachsene Gottes Worte verständlich zu Papier und lehrt Studenten am Institut für Theologie und Leiterschaft ISTL.

Einer wie Sent will nicht stehenbleiben. Seit einigen Jahren lernt das Sprachgenie Persisch, pflegt intensiv Kontakt mit Afghanen und Iranern – ganz ungeniert beziehungsorientiert!


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Datum: 12.11.2017
Autor: Manuela Herzog
Quelle: Jesus.ch

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