„Eltern im Laufgitter“: Immer mehr Staat in der Kindererziehung

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Wollen Schweizer Eltern ihre Freiheit im kostbaren Bereich des Lebens mit ihren Kindern tatsächlich beschnitten haben? Unter dem zitierten Titel hat sich die NZZ mit dem ausgreifenden staatlichen Engagement für die Kindererziehung befasst.

Die Politik habe sich in den letzten Jahren „auf das lange verschlafene Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestürzt wie kaum auf ein anderes zuvor", schreibt der Leitartikler in der Samstagausgabe der Neuen Zürcher Zeitung. Der Bund habe selbst die Krippenfinanzierung angestossen. Bei der geplanten Harmonisierung der Volksschule sollten die Kantone für die Schulkinder künftig eine fakultative und kostenpflichtige Tagesbetreuung ausserhalb der Unterrichtszeiten anbieten müssen.

Eltern deklassiert...

Doch dabei würden immer mehr „gesellschaftliche Leitmodelle propagiert, in denen der ausserfamiliären Fürsorge eine zentrale Rolle zukommt und die Eltern zunehmend in die zweite Reihe verwiesen werden". Die NZZ verweist auf die SP-Forderung nach Ganztagesschulen für alle Kinder und das Basler Programm, Dreijährige aus Ausländerfamilien oder aus «bildungsfernen» Schichten in obligatorische Sprachkurse zu schicken. (Laut dem Bundesamt für Statistik wurden 2006 fast 38 % der Ehen in der Schweiz mit einem ausländischen Partner geschlossen, und 40 % aller Neugeborenen von Ehepaaren hatten einen ausländischen Elternteil.) Die Eidgenössische Kommission für Familienfragen wolle die Kindertagesstätten ebenfalls zu Vorschulen ausbauen.

...wenn sich der Staat aufplustert

Der NZZ-Leitartikler bezeichnet das Ansinnen des Staats, damit die Kinder fördern zu wollen, als verführerisch - „denn wer will sich in unserer auf Bildung fokussierten Zeit schon gegen Förderung stellen?" Doch das Anpreisen von Krippen und Tagesschulen als der für Kind optimalen Lebensform ist laut der NZZ „nicht nur anmassend und ein Affront gegenüber all jenen Müttern und Vätern, die ihre Kinder in der Geborgenheit des Elternhauses aufwachsen lassen. Die Fokussierung auf die institutionelle Fremdbetreuung ist auch deshalb fragwürdig, weil es für berufstätige Eltern noch andere, keineswegs schlechtere Lösungen gibt, den Nachwuchs beaufsichtigen zu lassen - sei es durch die Grosseltern oder Bekannte, eine Kinderfrau oder nachbarschaftlich organisierte Mittagstische."

Kinder als Accessoires?

Es erstaunt die NZZ, „auf wie wenig Widerspruch die zunehmende Zurückbindung der Familien bis anhin gestossen ist". Als wären Mütter und Väter froh darüber, „wenn die Fürsorge für ihre Kinder immer mehr in dritte Hände überginge und sie sich nur noch kurz am Abend oder allenfalls am Wochenende mit ihnen beschäftigen müssten - Kinder als familiäre Accessoires sozusagen, die die eigene Bequemlichkeit nicht stören dürfen. Diese Tendenz passt zum Abbau an Eigenverantwortung und Freiheit, wie er in der Gesellschaft allgegenwärtig ist. Im höchstpersönlichen Bereich der Familie ist diese Entwicklung besonders verheerend, weil sie zur Schwächung und letztlich Auflösung der engsten menschlichen Beziehungen führt."

Quelle: Livenet / NZZ

Datum: 15.07.2008

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