«Was nun, Kirche?»

Er kann nicht anders: Ulrich Parzany mit neuem Buch

Am heutigen Mittwoch, 12. Juli 2017, erscheint ein Buch, das für Wirbel sorgen wird: Ulrich Parzanys Abrechnung mit der Evangelischen Kirche in Deutschland. Was die einen erzürnt, wird für die Seele anderer purer Balsam sein. Eine Rezension von Stefanie Ramsperger, Redaktorin des Medienmagazins pro.

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Ulrich Parzany
Mit «Was nun, Kirche? Ein grosses Schiff in Gefahr» hat Ulrich Parzany ein Buch vorgelegt, das Kritik übt, die offener nicht sein könnte. Kritik an der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), an den einzelnen Landeskirchen, an landeskirchlichem Personal und im Prinzip an all denjenigen, die die Autorität der Bibel als Gottes Wort in Frage stellen – aus Parzanys Sicht.

Und doch stellt er jederzeit klar: Diese Kirche ist seine geistliche Heimat. Ein «Wunder Gottes» für die Menschen sei sie - und heilig. Für diese Kirche betet er, an sie glaubt der langjährige Leiter von proChrist. Er will sie nicht aufgeben, auch wenn «von der Basis bis zu den Leitungen (...) die Leidenschaft (fehlt), das Evangelium von Jesus Christus unter die Leute zu bringen».

Kritik an liberalem Familienbild

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«Was nun, Kirche? Ein grosses Schiff in Gefahr» - ein Buch von Ulrich Parzany.
Vorangegangen waren dem Buch unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Deutschen Evangelischen Allianz über die Frage der kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Aus Sorge vor einer Liberalisierung in dieser Frage gründete Parzany 2016 mit Gleichgesinnten das «Netzwerk Bibel und Bekenntnis». Kritiker warfen Parzany vor, die Allianz zu spalten, der Ton wurde zunehmend rauer. Bis heute hat sich die Allianz nicht ganz von der Diskussion erholt. Wer dachte, Parzany werde nach dem heftigen Gegenwind nun seichtere Töne anschlagen, irrt. Sein neues Buch kann durchaus als Manifest seines bibeltreuen Netzwerks gelten.

Der gebürtige Essener formuliert direkt, klar, herausfordernd. Zuweilen schiesst er über das Ziel hinaus, beispielsweise wenn er aus dem Dienstrecht für Pfarrer zitiert, nach dem familiäres Zusammenleben «jede Form des rechtsverbindlichen Zusammenlebens von mindestens zwei Menschen» sein könne – und schlussfolgert, dass «in den evangelischen Kirchen (...) manche seit geraumer Zeit mit glänzenden Augen davon (sprechen), dass sich die Liebe auch in 'polyamoren Beziehungen' ausdrücken kann». Ob die Landeskirchen nun tatsächlich zwei Männer mit einer Frau oder zwei Frauen mit einem Mann in ihre Pfarrhäuser einziehen lassen möchten und dies mit «glänzenden Augen» begrüssen, scheint doch eher abseitig.

Auf charmante Art evangelistisch

Neben dem Umgang mit Homosexuellen widmet sich Parzany dem interreligiösen Dialog («Die kritische Relativierung der Bibel führt dazu, dass aus dem klaren Bekenntnis zum lebendigen Gott menschliche Gottesvorstellungen werden, über die wir dann mit den Vertretern anderer religiöser Vorstellungen verhandeln können.»). Vor allem geht es ihm aber um Bibelkritik: «Was ich kritisiere, ist eine historische Erforschung und Auslegung der Bibel, die durch weltanschauliche Vorurteile bestimmt ist», schreibt der Evangelist.

Charmant wird seine Darstellung, wenn er beispielsweise aus einer Schrift zitiert, die die Evangelischen 1530 dem Kaiser vortrugen: «Man soll auch den Bischöfen, so ordentlich gewählet, nicht folgen, wo sie irren oder etwas wider die heilige göttliche Schrift lehren und ordnen.» Im letzten Kapitel wird es dann evangelistisch. Parzany bleibt sich treu: Der grosse Evangelist lädt genauso feurig zum Glauben ein wie er auch in seiner Kritik kein Blatt vor den Mund nimmt.

Für Gemeindeglieder, aber auch Angestellte der Kirchen, die die Bibel konservativ auslegen, ist Parzanys Buch Balsam für die Seele. Denjenigen, nach deren Bibelverständnis die «klare Kante» nicht ganz so scharf zu ziehen ist, dient das Buch als Gesprächsgrundlage. Für diejenigen, die Parzanys Art der Zuspitzung als ausschliessend empfinden, ist es ein Ärgernis. Ärger, den Parzany erhobenen Hauptes bereit ist, in Kauf zu nehmen, ganz wie der Apostel Paulus es einst an die Römer schrieb: «Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die rettet alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.»

Zum Originalartikel auf PRO

Zum Thema:
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Datum: 12.07.2017
Autor: Stefanie Ramsperger
Quelle: Christliches Medienmagazin pro | www.pro-medienmagazin.de

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