Christen als Schulschwänzer?

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Leere Schulbänke aus religiösen Gründen gibt es immer wieder - doch welchen Glaubensgemeinschaften gehören diese Schüler an?
Im Zusammenhang mit der Anti-Minarett-Initiative wurde darüber diskutiert, dass muslimische Schüler sich oft aus religiösen Gründen vom Schulunterricht dispensieren lassen. Die Gratiszeitung «20 Minuten» will Ähnliches bei Christen beobachtet haben.

«Dispense für Schwimmunterricht, für das Weihnachtstheater und die Klassenfahrt - wer  dachte, dass dies eine muslimische Unsitte sei, liegt falsch. Christlich-fundamentalistische Gruppen lassen ihre Kinder häufiger von der Schule dispensieren als Angehörige anderer religiöser Gruppen», schreibt die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Sie beruft sich dabei auf eine Umfrage von Schweizer Radio DRS. Befragt wurden der Zürcher LehrerInnenverband, das Aargauer Bildungsdepartement sowie jenes des Kantons Thurgau. Diese bestätigten gegenüber DRS, dass sie mehr Dispensationsgesuche aus Freikirchen als von anderen Glaubensgemeinschaften behandeln würden. Das Radio räumt allerdings ein, dass es keine statistischen Erhebungen zu diesem Thema gäbe.

Hexen und Zauberer als Entschuldigungsgrund

«20 Minuten» zitiert Julia Morais von der Fachstelle für Integrationsfragen des Kantons Zürich: «In der Öffentlichkeit wird über die Muslime diskutiert, die Faktenlage ist aber eine ganz andere.»  Die Zeitung kommt danach zum Schluss: «Christen-Fundis braten in der Schule schon lange ihre Extrawürste». Irène Richner, Kommunikationsleiter des Aargauer Bildungsdepartementes, erklärt «20 Minuten», dass es häufig um Projektwochen zum Thema Hexen oder Zauberer gehe, welche zu Dispensationsgesuchen führen würden. Keine Überraschung ist diese Beobachtung für den Sektenexperten Georg O. Schmid, der ebenfalls von der Zeitung zitiert wird: «Magie, Hexen, Zauberei, östliche Religionen - das sind alles Reizthemen für viele Freikirchen.»

Hansjörg Leutwyler, Zentralsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA), zeigt sich  gegenüber «20 Minuten» überrascht von der Beobachtung. «Schuldispensen sind bei uns kein Thema», so Leutwyler. Unbestritten gebe es Themen, die man nicht unbedingt haben wolle wie Esoterik, Hexen oder Zauberei. Solange diese aber in normalen schulischen Rahmen thematisiert würden, sei dies kein Problem. «Bei Projektwochen, in welchen es ausschliesslich um diese Themen geht, kann ich mir aber vorstellen, dass Dispensen beantragt werden», so Leutwyler.

Keine Unterscheidung zwischen Freikirchen und Zeugen Jehovas

Merkwürdig hört sich die Feststellung von «20 Minuten» an, dass sich christliche Schüler besonders oft auch dann entschuldigen lassen würden, wenn in der Schule ein Weihnachtsspiel aufgeführt wird. Erst weiter unten im Artikel wird klar, dass damit wohl nicht - wie zuerst von der Zeitung suggeriert - Angehörige von Freikirchen gemeint sind, sondern die Zeugen Jehovas. Weihnachten und Schullager seien vor allem für diese Sekte ein Problem, so Schmid. «Vorstellbar, dass sie mit Dispensen versuchen diesen Themen auszuweichen.»

Links zum Thema:
Der Artikel bei «20 Minuten»
Die Umfrage von Schweizer Radio DRS

Datum: 14.12.2009
Autor: David Sommerhalder

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