Italien: Ministerin rehabilitiert katholischen Religionsunterricht
In Italien behält der katholische Religionsunterricht seinen Status - vorläufig. Ein Verwaltungsgericht der Region Latium hatte entschieden, dass Religionslehrer nicht mehr an Zeugniskonferenzen teilnehmen dürfen. Mit einem Dekret des Staatspräsidenten wird diese Rückstufung des katholischen Religionsunterrichts ausgesetzt.Die Teilnahme am schulischen Religionsunterricht werde weiter benotet und die Bewertung fliesse in die Gesamt-Beurteilung eines Schülers ein, heisst es in dem Dekret, das am 19. August im Amtsblatt der Republik veröffentlicht wurde.
Benachteiligung nichtkatholischer Schüler
Das Gericht von Latium hatte am 17. Juli betont, Schüler dürften nicht benachteiligt werden, die nicht am Religionsunterricht teilnähmen. Durch die bisherige Regelung habe eine bestimmte Konfession eine dominierende Stellung. Die Richter gaben einer Klage von insgesamt 24 nichtkatholischen Religionsgemeinschaften und laizistischen Verbänden statt; darunter waren die die evangelisch-lutherische Kirche, die Waldenser und die jüdischen Gemeinden Italiens.Bischöfe zufrieden
Das Urteil von Latium wurde von der Bischofskonferenz sowie von Regierungsvertretern einschliesslich der Bildungsministerin Maria Stella Gelmini gleich kritisiert. Es sei unbegreiflich, dass die Teilnahme an einem freiwilligen Gitarren-Kurs in die Gesamtbenotung einfliessen dürfe, nicht aber die Teilnahme am Religionsunterricht, so die Ministerin.Das Dekret des Staatspräsidenten mitten im Ferragosto stellt die katholischen Bischöfe zufrieden. Bischof Giuseppe Fabiani von der Schulkommission der Bischofskonferenz sprach gegenüber der Zeitung «La Repubblica» von einer «gerechten Entscheidung». Sie trage dem kulturellen Wert des katholischen Religionsunterrichts in den Schulen Rechnung. Immerhin entschieden sich 91 Prozent der Schüler für die Teilnahme am Religionsunterricht.
«Christlichen Wurzeln Rechnung tragen»
Fabiani hob hervor, dass in den Schulen nicht missioniert und nicht Katechismus gelehrt werde; dies sei Sache der Pfarreien. Vielmehr trage der Schulunterricht den christlichen Wurzeln und der Tradition, der Kunst und der Kultur Rechnung, die Italien gestern wie heute präge. Die Entscheidung der Richter von Latium bezeichnete der Bischof als unverständliche «laizistische Abweichung». Sie wollte die Kirche daran hindern, ihren Dienst für die Gesellschaft und das Gemeinwohl zu leisten.Laizität mit Respekt
Dass Schüler, die dem Fach nicht folgen, keine Punkte kriegen und dies nicht kompensieren können, bleibt für Nichtkatholiken ein Ärgernis. Der Präsident des Bundes evangelischer Kirchen in Italien, Domenico Maselli, wandte sich gegen die Unterstellung der Ministerin, mit das Nein zum zeugnisrelevanten katholischen Unterricht leiste dem Nihilismus und dem Relativismus Vorschub. Die Laizität habe mit religiösem Nihilismus nichts zu tun, vielmehr sorge sie für den Schutz unterschiedlicher religiöser Überzeugungen, betonte Maselli. - Man kann auf den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung gespannt sein.
Link zum Thema: Stellungnahme von Domenico Maselli
Quellen: Livenet / Kipa, RNA, Tavola valdese
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