Miteinander für Europa

Alte Grenzen trennen Christen nicht mehr

Bei Wertedebatten in der säkularen Gesellschaft finden sich bibelorientierte evangelische Christen und Katholiken regelmässig auf derselben Seite. Sie nehmen einander neu wahr. Das Netzwerk «Miteinander für Europa» verbindet Bewegungen aus beiden Konfessionen.

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Christliche Kirchen haben ein gemeinsames Ziel.
Das Netzwerk setzt am Samstag, 12. Mai 2012, in zahlreichen Städten Europas öffentliche Signale für Versöhnung, Frieden und ein Miteinander über alle Grenzen hinweg. Die lokalen Veranstaltungen sind per Internet miteinander vernetzt.

Ab 17 Uhr wird per Satellit aus Brüssel eine Feier von Vertretern der Bewegungen und des öffentlichen Lebens im EU-Raum übertragen. Das Netzwerk «Miteinander für Europa» ist inspiriert von der Erfahrung des einen Herrn Jesus Christus und seines Geistes, wie der Koordinator Gerhard Pross im November 2011 an der Tagung der Schweizer Bewegungen in Baar darlegte.

Annäherungen und bleibende Unterschiede

«Miteinander für Europa» zeigt unübersehbar an, wie viel sich durch den Zerfall der konfessionellen Milieus in Westeuropa seit 1960 geändert hat. Obwohl sich die beiden Seiten im Kirchenverständnis und vielen Aspekten der Theologie und Spiritualität weiterhin voneinander abgrenzen, kommt es zu Annäherungen, Begegnungen und gemeinsamen Initiativen.

Der deutsche Theologe Reinhard Hempelmann führt dies darauf zurück, dass Evangelikale und manche Katholiken «zahlreiche gemeinsame Anliegen entdeckt haben», in ethischen Debatten «etwa zu den Themen Ehe und Familie, Homosexualität, Lebensschutz am Anfang und Ende des Lebens». Dazu sähen sie es als zentrale Aufgabe, dass Europäer neu das Evangelium von der Versöhnung mit Gott hören und sich Christus zuwenden.

Ganzheitlicher Glaube

In seiner Analyse in der Herder Korrespondenz unterstreicht Hempelmann die Vielfalt und je nach Kontinent verschiedenen Profile der Evangelikalen. Ihre Frömmigkeit habe manche Ähnlichkeit mit der Spiritualität neuer katholischer Bewegungen. «Es geht um ganzheitliche Glaubenserfahrung, um religiöse Vergewisserung und Gemeinschaftsbildung in der Pflege flexibler Strukturen.»

«Neue Allianzen»

Für Westeuropa sieht Hempelmann einen «durchaus grundlegenden Wandel» in der gegenseitigen Wahrnehmung. Gemeinschaft wird zunehmend geistlich, über Kirchengrenzen hinweg gesucht: Während Kontakte von protestantischen und katholischen Kirchenführern fortbestehende Unterschiede deutlich machen, geschieht an der Basis, was Kardinal Walter Kasper «eine Ökumene des gemeinsamen Lesens und betenden Bedenkens der Bibel als Wort Gottes» nannte.

Laut Hempelmann rufen Annäherungen und Koalitionen «in anderen protestantischen und katholischen Milieus Irritationen» hervor. Die Unterschiede zwischen evangelisch und katholisch bestünden «selbstverständlich» weiter. Doch «es ergeben sich neue Allianzen. Die Grenzen der Konfessionen werden relativiert, sie werden durchlässiger.»

Webseiten:
Miteinander christlicher Gemeinschaften und Bewegungen in Deutschland
Netzwerk «Miteinander für Europa» (internationale Seite, Veranstaltungen 2012)

Zum Thema:
«Wenn wir diese Schlüssel anwenden…» (Vernetzung christlicher Gemeinschaften und Bewegungen in der Schweiz)

Datum: 06.02.2012
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet / Herder Korrespondenz

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