Kommentar

Damit der missionarische Funke springt

«Mission gehört zum christlichen Glauben wie das Brennen zum Feuer» schreibt der Präsident des Landeskirchenforums. Heute brauche die reformierte Kirche ein missionarisches Update.

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Pfr. Dr. Alfred Aeppli: Bundeshauspfarrer und Präsident des Landeskirchen-Forums
Diese Einsicht betrachte ich nicht nur als biblisch begründet, sondern auch für die Gestaltung einer blühenden Gemeindearbeit wegleitend. Eberhard Jüngel hat schon 1999 in Leipzig an der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland gesagt: «Wer an einem gesunden Kreislauf des kirchlichen Lebens interessiert ist, muss auch an Mission und Evangelisation interessiert sein.»

Nach vielen Jahren einer befangenen Scheu im Umgang mit diesem Thema ist in den reformierten Landeskirchen ein Update nötig. Wir sollten als Volkskirche lernen, Mission neu zu denken und nach dem Stellenwert der missionarischen Arbeit in den Gemeinden vor Ort fragen. Als ich kürzlich mit einem Psychologen darüber ins Gespräch kam, stiess ich auf Widerstand: «Du willst doch deine Meinung nicht einfach andern überstülpen?» Typisches Vorurteil! Der Begriff Mission ist belastet durch alte Geschichten. Doch Mission heisst «Sendung» und gehört zu den elementaren Bewegungen der Kirche.

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat zusammen mit dem Vatikan und der Weltweiten Evangelischen Allianz Ende Juni sinnvolle Empfehlungen für das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt veröffentlicht. Doch wie wird der Glaube innerhalb unserer Kirchen weitergegeben? Christliche Inhalte sind im breiten Volk am Verdunsten. Das stellt uns vor neue Herausforderungen.

Erfreulicherweise sind kirchliche Gremien zunehmend an einer missionarischen Gemeindeentwicklung interessiert. So schreibt der Zürcher Kirchenrat in seinen Legislaturzielen: «Mission, Evangelisation und Gemeindeaufbau sind biblisch-theologische Dimensionen, die für das kirchliche Leben neu zu erschliessen und für die Arbeit in der Gemeinde fruchtbar zu machen sind.» In der Greifswalder Studie «Wie finden Erwachsene zum Glauben?» wurden über 450 Personen befragt, die eine Veränderung zum Glauben hin erlebt hatten. Einige berichten von einer Gottesbegegnung in berührenden Gottesdiensten. Andere haben durch Taufe, Abendmahl und Segnungshandlungen einen neuen Zugang zum Glauben gefunden. Viele wurden durch neue Gottesdienstformen oder in Glaubenskursen angesprochen, bei welchen Gemeindeglieder von ihren Erfahrungen erzählten.

Im Gottesdienst kann der Funke allerdings nur springen, wenn die Menschen auch teilnehmen. Das Gemeindeleben am Werktag beeinflusst die Dynamik am Sonntag. Die traditionelle Komm-Struktur ist zu ergänzen durch eine innovative Geh-Struktur. Gemeindeglieder, die im Alltag ihren Glauben überzeugend leben, können Trägerinnen und Träger einer solchen Geh-Struktur sein. Angebote für verschiedene Zielgruppen und eine offene Beziehungsarbeit sind weitere Bausteine.

Mission ist eine Bewegung, die auf Begegnung beruht - auf der Begegnung aus dem Glauben zum Glauben. Es ist neu zu diskutieren, wie und wo in unseren Gemeinden der missionarische Funke springen kann.


Pfr. Dr. Alfred Aeppli ist Präsident der Landeskirchen-Forums. Dieser Kommentar ist in der Wochenzeitung «Reformierte Presse» erschienen.

Hinweis zum Thema:
«In kleinen Gemeinden den Weg zu den Menschen finden» veranstaltet des Landeskirchen-Forum am 10. September eine Tagung

Datum: 06.09.2011
Autor: Alfred Aeppli
Quelle: Reformierte Presse

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