Christentum und der Hauch des Buddhismus

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Christine Maier liess im Club über den Dalai Lama und den Buddhismus diskutieren. (Bild: SF/Oscar Alessio)
"Reformierte Kirche am Ende?": Unter diesem Titel diskutierten am Dienstag Abend eine Pfarrerin, ein Pfarrer und ein Kirchenpräsident auf DRS 1. Wenig später brachte das Schweizer Fernsehen eine Sendung mit und über den Dalai Lama und die Faszination des Buddhismus.

Der Dienstagabend hatte es in sich. "Landauf, landab werden die Gottesdienste in der Regel spärlich besucht. Wo steht die reformierte Kirche heute?" fragte Radio DRS die Gesprächsteilnehmer. Wer sich nach dem Ende der Gesprächsrunde mit dem Berner Synodalratspräsidenten Andreas Zeller, der Zürcher Schamanismus-Pfarrerin Renate von Ballmoos und dem Basler Pfarrer Roger Rohner noch vor den Fernseher setzen mochte, bekam einen SF1-Club zum religiösen Zeitgeist mit. Er handelte von der Anziehungskraft, die der (tibetanische) Buddhismus mit seiner Ikone, dem Dalai Lama, hierzulande ausübt.

Die Moderatorin Christine Maier hatte mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter anlässlich seines Besuchs am Genfersee letzte Woche ein Interview geführt; die Sendung bestand aus Teilen dieses Gesprächs und einer Diskussion mit Tibetern und Schweizern. Maier begann die Diskussion mit der Feststellung, dass sich im Westen "so viele Menschen dem Buddhismus zuwenden". Warum? Die Juristin Tendon Darhortsang meinte, der Buddhismus gebe das Bild einer einladenden, nicht aufdringlichen Religion ab. Ihr Landsmann Wangpo Tethong fand, er gehe auf den Erlebnishunger der Menschen ein.

Philosophie ganz anders

Der Ex-Jesuit und Buddhismuskenner Lukas Niederberger formulierte seine Einschätzung in Fragen: Ist der Buddhismus für Schweizer attraktiver als die angestammte christliche Religion, weil er keine Gottheit kennt, kein Dogma, keine Institution mit Hierarchie - und weil er eine rationale Ethik anbietet? Tethong meinte, der Buddhismus fordere zur Leistung heraus, indem er den spirituellen Fortschritt vom Bemühen des Einzelnen abhängig mache. Manuel Bauer, der den Dalai Lama während vier Jahren als Fotograf begleitete, brachte seinen Respekt vor dem Buddhismus als Philosophie zum Ausdruck und betonte die Kluft zwischen ihm und dem Christentum.

Mehr Buddhisten werden Christen als umgekehrt

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Der Dalai Lama im SF-Interview.
Der Religionswissenschaftler Georg Schmid nannte drei Aspekte zur Faszination des Buddhismus: Er erscheine "uns im Westen als Idealreligion" - umso mehr, als man viel nicht wisse. So könnten Westler ihre Wünsche in den Buddhismus hineinprojizieren. Viele suchten einen Guru und sehnten sich nach einem perfekten Guru. Dabei werde Wesentliches ausgeblendet, auch das diktatorische Gehabe des Dalai Lama in Mönchskonflikten. Drittens sieht Georg Schmid in der Globalisierung den Westen buddhistischer, die buddhistischen Stammlande christlicher werden. Ein international tätiger buddhistischer Meister habe ihm gesagt, für jeden Christen, der Buddhist werde, gebe es zehn Buddhisten, die Christen würden.

Kann der Dalai Lama zurücktreten?

Die Runde wandte sich dem tibetisch-chinesischen Konflikt zu. Dabei erwähnte Schmid, dass Gewalt auch im tibetanischen Buddhismus eine Tradition habe, bei vorangehenden Dalai Lamas. In 50 Jahren habe der Dalai Lama bei den Chinesen nichts erreicht. Schmid fragte, ob es unmöglich sei, ihn als weltliches Oberhaupt, als Politiker zu pensionieren. Darhortsang, die den Verein junger Tibeter in Europa präsidiert, mochte diese Frage nicht beantworten. Sie verschwieg nicht, dass es Tibet vor dem Einmarsch der Chinesen eine Theokratie mit Leibeigenen und einem Polizeiapparat zur Überwachung der Einwohner war. Die Buddhistin, die im Dalai Lama ein höheres Wesen sieht, geht davon aus, dass er "zu einem gewissen Mass steuern kann, wo er wiedergeboren wird". Dies werde wohl ausserhalb Tibets geschehen, damit er seine Pflicht erfüllen könne. 

Links zum Thema:
Reformierte Kirche am Ende?": Das Gespräch auf DRS 1
SF-Club: Der Dalai Lama - Auseinandersetzung mit einem Phänomen
Das SF-Interview mit dem Dalai Lama
Datum: 13.08.2009

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