Jesus und das Ziel

Den richtigen Zeitpunkt erkennen

«Als sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sich ihre Anstrengungen.» Der spöttische Spruch von Mark Twain trifft oft ins Schwarze. Wie lässt sich das richtige Ziel finden? Jesus fasst zeitig einen Entschluss, der ihn auf Kurs bringt.

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Das Ziel, das den Einsatz aller Kräfte und Ressourcen rechtfertigt – gibt es das überhaupt? Die Freizeitgesellschaft bietet so viel, dass uns nicht langweilig wird; wir können mal hier, mal da andocken und das Leben geniessen, ohne dass wir uns verausgaben. Wäre es nicht überzogen und riskant und extrem, alles auf ein Ziel auszurichten? Wir bewundern zwar jene, die sich ein hohes Ziel stecken, einen Gipfel von 6‘000 oder 8‘000 Metern Höhe erreichen wollen – ihr Abenteuer verfolgen wir vorzugsweise auf dem Bildschirm, im weichen Sessel.

Mit voller Energie?

Haben Sie ein echtes, ein grosses Ziel vor Augen? Einen Vorsatz gefasst, der Sie umtreibt, auf Trab bringt und in Schwung hält? Für den Sie Ihre Energie gern drangeben, weil Sie unterwegs immer wieder neu Kraft empfangen?

Weg aus Galiläa

Jesus nimmt ein solches Ziel in den Blick. Zwar hätte er allen Grund, in Galiläa zu bleiben. Die Leute strömen zu seinen Predigten, geniessen die glasklaren Pointen, staunen über wunderbare Heilungen. Er hätte noch viel zu tun, um seinen Galiläern das Reich Gottes näherzubringen. Doch nun fasst er den Entschluss, nach Jerusalem zu wandern. Jerusalem – warum? Die Stadt hat ihm schon viel Bauchweh gemacht. Nicht einmal Wunder bringen die stolzen Jerusalemer dazu, Jesus vorurteilslos zuzuhören. Jeder Tag, den er da in der Öffentlichkeit verbracht hat, war ein Kampf – und doch fixiert Jesus, als ob er nichts Besseres tun könnte, das Ziel: Jerusalem.

Jerusalem – und weiter…

In den Evangelien beschreibt allein Lukas diesen Entschluss: «Es geschah aber, als die Zeit erfüllt war und die Tage, da er in den Himmel aufgenommen werden sollte, gekommen waren, dass er den festen Entschluss fasste, nach Jerusalem zu ziehen» (Die Bibel, Lukasevangelium, Kapitel 9, Vers 51). Für Jesus ist die Zeit erfüllt; vor seinem geistigen Auge steht, was sein Vater im Himmel noch mit ihm vorhat. Er wird in den Himmel aufgenommen werden – wenn er das Ringen um Jerusalem ausgetragen hat. Denn da steht der Tempel, das Haus seines Vaters (Lukas 2, 49), in dem Gottes Ehre proklamiert und der Gottesdienst zurechtgebracht werden muss.

Den Entschluss zeitig fassen

Was können Sie und ich von Jesus lernen? Wir haben ja keine Mission im Tempel von Jerusalem zu erfüllen. Doch die Fähigkeit, für ein übergeordnetes Ziel zeitig Tätigkeiten aufzugeben, die vielleicht höchst sinnvoll sind, kann sich für unser Leben als entscheidend erweisen. Jesus demonstriert diese Fähigkeit hier auf eindrückliche Weise. Er fokussiert auf das Ziel und verliert es nicht mehr aus den Augen. Dabei ist der Weg sehr lang und gewunden, er geht im Bericht des Lukas über viele Stationen (bis Lukas, Kapitel 19, Vers 28).

Möglich ist das, weil Jesus dauernd «online» ist, im Gebet mit Gott, seinem Vater im Himmel, spricht. Sowohl die Entschlossenheit, den Weg einzuschlagen, wie auch das Gespür für die richtige Zeit, das Timing, sind aus der Vertrautheit mit dem Vater im Himmel gewachsen. Dazu kam eine Unterredung mit Mose und Elia, die aus der jenseitigen Welt auf einem Berg zu ihm traten (Lukas 8, 31).

Wissen wir, wer wir vor Gott sind und was er für uns bereit hält, können wir das Ziel erkennen und es ansteuern – komme, was mag.

Buch zum Thema:
Tom Wright: Warum Christsein Sinn macht


Quelle: Jesus.ch

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