Kommentar
«Prügelnde Christen» und die Medien
Ist es Journalisten zu verübeln, dass sie nicht unterscheiden können zwischen normalen Freikirchen und irregeleiteten Sekten mit ihren zum Teil bizarren Weltanschauungen und Praktiken? – Ein Kommentar von Wilf Gasser, Sexualtherapeut und Präsident der Schweizerischen Evangelischen Allianz.
Wie im 20-Minuten-Artikel «Frauen fliehen vor prügelnden Christen» geraten verantwortungsbewusste und reflexionsfähige Christen immer wieder unter den Generalverdacht, intolerant, freiheitsfeindlich und gewaltbereit zu sein. Das nervt und kann gelegentlich auch weh tun.
Missbrauchsfälle, Enge und Intoleranz, negatives Verhalten aller Art kommen auch in bekennenden christlichen Gemeinschaften vor. Vielleicht sogar gehäuft in den meist kleinen und wenig eingebundenen, sektenhaft isolierten Gruppen am Rande der christlichen Szene. Man kann es verstehen, dass solche Fälle von den Medien besonders hochstilisiert werden, weil man grundsätzlich von Christen, und speziell von Pfarrern und Priestern, einen moralisch hoch stehenden Lebenswandel erwartet. Eigentlich zu Recht!
Was lerne ich daraus?
- Undifferenzierte Beschuldigungen werden von bekennenden Christen als eine Art «Verfolgung» erlebt. Diese ist aber wohl «harmlos» im Vergleich zur Verfolgung, die viele Glaubensgeschwister über die Jahrhunderte erlebt haben und immer noch erleben.
- Journalisten würden wohl etwas klarer differenzieren können, wenn sie in ihrem Umfeld persönlich glaubwürdige Christen kennen würden. Haben wir da unseren Auftrag zu wenig wahrgenommen?
- Christen können meines Erachtens Meister der Selbstreflexion werden, wenn sie sich als „begnadete Sünder“ auch ihren Schattenseiten stellen. Angriffe und Anwürfe können dabei helfen, uns und unsere Gemeinden ehrlich zu reflektieren und immer mehr «Christus-ähnlich» zu werden.
- Es tut weh, wenn wir trotz gutem Willen und löblichen Absichten missverstanden und falsch interpretiert werden. Wir müssen auch nicht einfach alles auf uns sitzen lassen; wir dürfen uns wehren. Letztlich geht es nicht um uns oder unseren Ruf, sondern um Jesus und seine Anliegen. Und darum, wie Gott uns sieht! Daran kann kein Journalist etwas ändern.
Zum Thema:
Der Antifeminismus und die Liebe
Autor: Wilf Gasser, SEA
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