Indiens Nationalfeiertag

Minderheiten fordern wirksamen Schutz

Indien hat am 26. Januar 2011 den Tag der Republik mit Pomp und einer Parade gefeiert. Christen feiern mit – und fordern, dass das Gesetz zum Minderheitenschutz endlich verabschiedet wird.

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Christliche Frauen in Indien protestieren gegen die Gewalt
In ihrer Parade zum 63. Nationalfeiertag in der Hauptstadt Delhi unterstrich die indische Armee mit grossen Raketen und neuen Waffensystemen den Grossmachtanspruch. Indien kann sich rühmen, die grösste Demokratie der Welt zu sein; die Inder haben insgesamt deutlich mehr Freiheiten und Rechte als ihre Nachbarn. Doch Unterschichten und Bauern, religiöse und ethnische Minderheiten kommen hier und da unter die Räder des Gemeinwesens. Landesweit von Gewalt betroffen sind Dalit-Frauen (Kastenlose).

Politisches Seilziehen – und Gebet

Der Staat setzt der religiös und kulturell begründeten Ungleichheit seiner Bürger zu wenig entgegen. Der Allindische Christenrat (AICC) hat im Dezember die Regierung aufgefordert, endlich das Gesetz zur Prävention von Gewalt gegen Minderheiten (Prevention of Communal and Targeted Violence Bill) ins Parlament und zur Abstimmung zu bringen. Der AICC startete eine landesweite Aktions- und Gebetskampagne zur Verabschiedung des Gesetzes.

Vom Gesetz versprechen sich die Minderheiten einen wirksameren Schutz vor Drohungen, Übergriffen und Pogromen sowie die Entschädigung von Opfern. Nach amtlichen Angaben wurden in den letzten zehn Jahren über 6‘000 Vorfälle von «communal violence (Gewalt gegen Mitglieder einer Minderheit, einer community) registriert. Das Vertrauen von Dalits und Stammesangehörigen, ethnischen und sozialen Minderheiten in den Staat wurde erschüttert.

In den Dschungel gejagt

Der ärgste Gewaltausbruch der letzten Jahre geschah 2008 im Gliedstaat Orissa, wo 56‘000 Bewohner vertrieben und über 5‘600 Häuser von Christen in 400 Dörfern durch Hindu-Fanatiker niedergebrannt wurden. Der aufgehetzte Mob zerstörte auch gegen 300 Kirchen. Die Sicherheitskräfte griffen laut AICC nicht ein, und Beamte und Polizisten beteiligten sich gar an der Gewalt. Dreieinhalb Jahre später ist für die Morde – es starben über 100 Personen – noch niemand in Orissa verurteilt worden. Die Rehabilitation der Vertriebenen harzt.

Gegen die Straflosigkeit

Mit dem Gesetz soll vor allem «das Klima der Straflosigkeit» für Täter, Komplizen und Beamte ein Ende finden. Zudem wird Hetze unter Strafe gestellt. Der Chef des Welthindurats (VHP) Praveen Togadia hat laut AICC im Jahr 2011 zum Köpfen von Missionaren aufgerufen, die Inder zum Übertritt zum Christentum verleiten wollten. Der AICC und die christliche wie die muslimische Gemeinschaft wurden zur Zielscheibe von Verleumdungskampagnen.  

Website:
Allindischer Christenrats
Situation der Christen in Indien (Hintergrundinformationen von OpenDoors)

Zum Thema:
Taufe für Ex-Hindu-Extremisten: Nach der Verfolgung die Erweckung

Datum: 27.01.2012
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet / AICC

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