Christliche Ethik mutig in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tragen

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Die EVP-Tagung im Grossratssaal Aarau
Am Samstag hat die EVP der Schweiz im Grossratsgebäude in Aarau zu ihrer ersten Bettagskonferenz geladen. Rund hundertsechzig Interessierte haben sich jenseits von parteipolitischen und konfessionellen Grenzen mit christlicher Ethik in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auseinandergesetzt. Unter den Referenten war auch Nsaba Buturo, Informationsminister von Uganda.

Mit der Konferenz wurde eine alte Tradition neu belebt: Bereits im 17. Jahrhundert halfen Bettage bahnbrechend mit, weltanschauliche und politische Gräben zu überbrücken. Mit ihrer Bettagskonferenz wollte die EVP der Schweiz politisch interessierte Christen miteinander vernetzen und neu für ihr gesellschaftliches Engagement inspirieren – jenseits von parteipolitischen und konfessionellen Grenzen.

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Wolfgang Bittner
Den Auftakt machte Wolfgang Bittner, Studienleiter der Fritz-Blanke-Gesellschaft. Er ortete die Antriebsmotoren unseres menschlichen Daseins in Macht, Besitz und Beliebtheit. Bittner rief eindringlich dazu auf, die zu diesen wichtigen Motoren dazugehörigen Bremsen, die er in einer zeitgemässen Interpretation der drei evangelischen Räte - Gehorsam, Armut und Keuschheit - sieht, neu zu entdecken. Um Machtmissbrauch vorzubeugen, riet Bittner: „Wer an die Macht gelangt, müsste auf Besitz verzichten.“

Eine Kultur der Liebe

Hauptreferent Dr. Nsaba Buturo, Informationsminister von Uganda, rief zu einem klaren Bekenntnis zu Jesus Christus auf: „Es ist seltsam, dass die Armen in Afrika sich Gott näher fühlen. Wir alle brauchen Gott!“

Uganda steht laut Buturo vor der Aufgabe, die Menschen über die christlichen Werte aufzuklären. Christen hätten einen guten Ruf als zuverlässige Mitarbeiter. Doch das Land müsse eine Kultur der Gerechtigkeit im öffentlichen Bereich entwickeln. Buturo wünscht sich eine „Kultur der Liebe im öffentlichen Dienst.“ Politisch stehe das Land vor der Herausforderung, wieder zu einem Mehrparteiensystem zurückzukehren.

Praktisch gelebte christliche Ethik zeige sich in Uganda in der AIDS-Problematik: Kondome seien nützlich bis zu einem gewissen Grad, die Prävention Ugandas setze aber auch auf Enthaltsamkeit und Treue. Insbesondere die Jugendlichen würden zur Enthaltsamkeit vor der Ehe ermutigt.

Mut zur Macht und zum Kompromiss

EVP-Nationalrat Heiner Studer ermutigte Christen, den Mut aufzubringen, an der politischen Macht teilzuhaben und damit Verantwortung wahrzunehmen. Dies bedeute gerade in Exekutivfunktionen auch den Mut zum Kompromiss. Dabei seien kleinere und grössere Konflikte oft nicht vermeidbar. Für ihn gelte dabei das Prinzip „Mensch vor Macht“.

Dieses Motto habe er für sich schon als junger Gymnasiast entwickelt, sagte der evangelische Politiker aus dem Aargau: „Mir wurde damals bewusst, dass es auf dieser Erde genügend Güter hätte, um alle Menschen sättigen zu können. Da wurde mir klar, dass ich mich als Christ für diejenigen Menschen engagieren wollte, welche sich nicht selber wehren können, welche unter die Räder zu geraten drohen.“

Als Vertreter der Wirtschaft stellte Rolf Hiltl, Inhaber und Geschäftsführer des Restaurants Hiltl in vierter Generation, die Unternehmensethik seines Betriebes vor. Wichtiges Element sei für ihn die dienende Führung: statt Vorgesetzte heissen die Kadermitarbeiter bei Hiltl Vorbilder. Das beste Unternehmensleitbild nütze nämlich nichts, wenn es nur gepredigt, aber nicht vorgelebt werde.

Ein ganzheitliches Menschenbild

Abschliessend forderte Andrea Arz de Falco, Theologin und Ethikerin in Forschung und Medizin, ein ganzheitliches Menschenbild: der Mensch habe nicht Leib und Seele, der Mensch sei Leib und Seele. Der Mensch sei Person, Geschöpf und Abbild Gottes gleichzeitig, worin sich die Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens begründe. In der Gottesebenbildlichkeit liege die Überzeugung von der Heiligkeit des Lebens begündet.

Leider sei zum Beispiel bezüglich der Status des menschlichen Embryos heute kein gesellschaftlicher Konsens mehr möglich. Deshalb gebe es auch keinen Einigung zur Frage, ob an ihm geforscht werden dürfe. Arz de Falco forderte daher eine Rückbesinnung auf den Grundsatz: „Der Zweck darf nicht die Mittel heiligen.“

Mit einem gemeinsamen Vaterunser schloss die Konferenz. Das Gebet „Dein Wille geschehe. Dein Reich komme“ war dabei gleichzeitig Ausdruck der ehrlichen Bitte um Weisheit beim Politisieren und dem Wissen um die Begrenztheit menschlichen Handelns andererseits.

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Nsaba Buturo, der ugandische Informationsminister, bei seinem Vortrag in Aarau
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Andrea Arz de Falco

Webseite: www.evppev.ch

Autoren: Fritz Imhof/ Niklaus Hari
Quelle: EVP/Livenet

Datum: 21.09.2004

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