Menschenbilder im Vergleich

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Das humanistische Menschenbild ist schon in der Antike entstanden und in Deutschland vor allem als Neuhumanismus durch Herder, Goethe, Lessing und andere wiederbelebt worden. Unter Humanismus versteht man eine Bewegung, die eine Veredelung des Menschen durch geistige Bildung anstrebt, vor allem auf dem Gebiet der Literatur und Kunst. Die Grundauffassungen des humanistischen Menschenbildes sind folgende:

- Jeder Mensch hat eine autonome, in seinem Menschsein begründete Würde.
- Die Menschen sind von Natur aus unterschiedlich begabt, haben aber alle den gleichen Wert.
- Der Mensch ist im Kern gut. Die Aufgabe aller Menschenbildung besteht darin, diesen guten Kern zu entfalten.
- Das Böse in der Welt beruht auf fehlender Einsicht der Menschen. Es ist dadurch zu beheben, dass die Menschheit sich zu einem höheren Bildungsniveau weiterentwickelt.
- Das Ziel der Pädagogik ist folglich der möglichst umfassend gebildete Mensch, der in Harmonie von Geist, Seele und Körper lebt.

- Der Weg zu Gott besteht in ständigem Streben nach dem Guten. Wer sich immer strebend bemüht, wird von Gott schliesslich erlöst.

- Das Wesentliche an einer Religion ist nur, inwieweit sie ihre Anhänger zu Taten der Nächstenliebe motiviert. Alle übrigen Bestandteile einer Religion sind entbehrlich.

- Da es keine verbindlichen Glaubenswahrheiten gibt (Kernsatz von Lessings Ringparabel: "Der echte Ring vermutlich ging verloren"), bleibt nur das Gebot der Toleranz und Nächstenliebe.

- Persönliches Eigentum, auch wirtschaftliches, ist zu bejahen, soweit es rechtmässig erworben und nicht zum Schaden von Menschen verwendet wird.

- Die Zukunft der Menschheit wird eine wahrhaft humane sein. Die Menschheit wird einen gewaltigen Aufschwung nehmen, wenn sie ihre edelsten Kräfte erstmal voll entfaltet.

- "Bildung hilft, das Böse in der Welt zu überwinden"

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Das sozialistische Menschenbild

Sozialismus ist jene aus der Arbeiterbewegung entstandene Ideologie von Karl Marx und späteren Denkern, die eine neue, klassenlose, gerechte Gesellschaft unter Führung der (bisherigen) Arbeiterschaft anstrebt. Die folgenden Thesen zum Menschenbild beziehen sich im Wesentlichen auf Selbstdarstellungen des Sozialismus in solchen Gesellschaften, wo er bereits real existiert hat.

- Die Würde des Menschen als geschichtliches Wesen ist den Zielen der Gesellschaft untergeordnet. Seine Freiheit muss vor allem dort eingeschränkt werden, wo er den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft behindert. Selbst die Liquidierung (d.h. Tötung) von Menschen ist ethisch geboten, wenn sie diesem höchsten Ziel der Menschheit dient.
- Alle Begabungsunterschiede sind ausschliesslich milieubedingt. Von Natur aus sind die Menschen gleich.
- Der Mensch ist weder gut noch böse, sondern empfänglich für die Prägung durch die Gesellschaft. Erst die sozialistische Gesellschaft kann ihn so optimal fördern, dass er sein bisher unterdrücktes Potential zu ungeahnten Höhen entfaltet.
- Die Missstände in der Welt beruhen auf bösen, kapitalistischen gesellschaftlichen Strukturen. Fortschritt zum Guten tritt daher als Folge neuer, sozialistischer Strukturen ein, und diese gilt es einzuführen.
- Das Ziel der Pädagogik ist der sozialistische Mensch, dessen Bewusstsein und Verhalten in allen Lebensbereichen im Einklang mit dem Bewusstsein und den Zielen der Arbeiterklasse steht.
- Es gibt keinen Gott, kein höheres Wesen. Atheismus lässt sich sogar "wissenschaftlich" begründen. Die Erlösung des Menschen ist kein individuelles Ereignis, sondern ein Vorgang kollektiver Selbstbefreiung.
- Religion ist Opium für das Volk. Sie steht im Widerspruch zum sozialistischen Selbstverständnis der Gesellschaft. Dennoch lassen sich ihre Institutionen vorübergehend als Mittel zur sozialistischen Bewusstseinsbildung verwenden, bevor die Religion in der neuen Gesellschaft endgültig abstirbt.
- Da der Sozialismus die absolute Wahrheit ist und als einzige Ideologie den Schlüssel zum Verständnis der Geschichte besitzt, muss die sozialistische Gesellschaft "intolerant" und "parteilich" gegenüber denen sein, die entgegengesetzte Auffassungen öffentlich vertreten. Toleranz ist dort möglich, wo die Meinungsäusserung eines Gegners keinen bewusst- seinsbildenden Einfluss auf Dritte ausübt.
- Eigentum an Produkionsmitteln dient der Ausbeutung der Arbeiterschaft. Es muss daher abgeschafft bzw. in seinen Rechten stark eingeschränkt werden. Soziale Ungleichheiten sind durch Umverteilung soweit wie wirtschaftlich möglich zu verringern.
- Die Zukunft der Menschheit wird sozialistisch sein. Die Demokratie verdient diese Bezeichnung erst dann wirklich, wenn sie sich im Sozialismus vollendet. Nur so wird das "Reich der Freiheit" kommen.

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Das christliche Menschenbild

Um den Begriff des Christlichen ranken sich heute zahlreiche Missverständnisse. Daher ist es hier besonders notwendig, auf die Quellen zurückzugreifen, das heisst. auf die Bibel und die darin enthaltenen Aussagen über das Wesen des Menschen. Ihr sind die folgenden Thesen sinngemäss entnommen.

- Jeder einzelne Mensch hat seine Würde dadurch, dass er von Gott in liebevoller Absicht geschaffen ist - mit der hohen Berufung zur persönlichen Partnerschaft mit Gott.
- Jeder einzelne Mensch ist von Gott als Original gewollt - mit ganz persönlichen Begabungen und Lebensaufgaben, die ihn von allen übrigen Menschen unterscheiden.
- Der Mensch hat sich schuldhaft von Gott abgewendet. Die Sünde, also das Streben nach Selbstverwirklichung ohne Gott, kennzeichnet den heutigen Menschen von früher Kindheit an. Er ist daher im Kern böse.
- Das Böse in der Gesellschaft ist die geschichtliche Folge menschlicher Schuld. Nur dadurch, dass Gott in der Person des Jesus Christus für diese Schuld starb und auferstand, ist Erlösung von dem Bösen möglich. Der einzelne braucht daher unbedingt die persönliche Lebensentscheidung, diese Angebot anzunehmen und sich bewusst der Herrschaft Gottes zu unterstellen. Dann macht Gott aus ihm den neuen, erlösten Menschen. Aus den so veränderten Menschen ergibt sich die Gesellschaftsordnung (das "Reich") Gottes. Sie bilden die Minderheit, die als "Salz der Erde" die übrige Gesellschaft vor dem Niedergang bewahren soll.
- Das Ziel der Pädagogik ist der an Jesus Christus orientierte, im Glauben und der Verantwortung vor Gott eingeübte, auf allen Lebensgebieten vom Geist Gottes geprägte Mensch. Er versteht sein Leben als Engagement zur Weitergabe der von Gott empfangenen, mitunter durch Menschen vermittelten Liebe.
- Strebsamkeit reicht nicht aus, um zu Gott zu kommen, sondern totale Umkehr ohne Vorbedingungen. Jesus Christus kritisierte scharf die Auffassung, ein Mensch könnte durch moralische Leistungen den Zugang zu Gott erreichen.
- Das Wesentliche am Christsein ist die enge personale Verbindung eines Menschen mit Jesus Christus. Aus ihr entsteht Vertrauen zu der biblischen Botschaft von Gott und auch schenkende Liebe zum Mitmenschen, nicht umgekehrt. Zwischen diesem Glauben und ideologiefreiem, wissenschaftlichem Denken besteht keinerlei Widerspruch.
- Jesus Christus ist selbst der Weg, die Wahrheit und das eigentliche Leben, so dass niemand anders zu Gott kommt als durch ihn. Diesen seinen Absolutheitsanspruch zu bezeigen, hat er seinen (damaligen und heutigen) Nachfolgern ausdrücklich aufgetragen. Dieses Zeugnis darf jedoch nur in opfer- und leidensbereiter Nächsten- bzw. Feindesliebe geschehen, niemals unter Einsatz von Machtmitteln, Zwang oder Druck. In diesem Sinn gehören Wahrheit und Toleranz zusammen.
- Die Menschheit wird auch in Zukunft kein Paradies auf der Erde errichten können. Alle ideologischen Utopien sind im Sinne des christlichen Menschenbildes (siehe 3.These) abzulehnen. Doch weiss der Glaubende, dass nach dieser Welt eine andere kommen wird, in der Jesus Christus sichtbar herrschen wird. Für den Glaubenden und sein Verhalten im Alltag geht von dieser Gewissheit schon heute eine starke Motivation aus.

Zusammengefasst von Bruno Graber aus "Wo ist Wahrheit ?" von Prof. B.Volkmann

Datum: 18.08.2002
Autor: Bruno Graber
Quelle: Jesus.ch

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