Durchmoralisiert

«Gesellschaft ist Schuldgemeinschaft geworden»

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Ist das schlechte Gewissen in unserer Gesellschaft mittlerweile Normalzustand? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Journalist Richard Kämmerlings. Aus seiner Sicht ist Jesus die Antwort auf eine moralisierende Gesellschaft.

Der «Welt»-Redaktor Richard Kämmerlings beobachtet ein unübersichtliches «Schlachtfeld zeitgenössischer Hypermoral». Davon seien viele Bereiche des Lebens betroffen: Jeder Autofahrer gelte als Erdaufheizer, jeder Fleischesser als Tierquäler. Der eine erhalte zu viele Sozialleistungen, der andere kaufe seinen Kindern zu billige oder falsche Kleidung.

Moralisches Minuskapital

Laut Kämmerlings hat sich die Gesellschaft zu einer «Schuldgemeinschaft» entwickelt, die nicht nur finanzielles, sondern auch «moralisches Minuskapital» anhäufe. Die christliche Religion spiele bei diesen Fragen kaum noch eine Rolle, der Alltag werde unter «säkularen ideologischen Vorzeichen durchmoralisiert».
 
Die böse Gesellschaft sorge «für eine Gefühlslage nie abzahlbarer Schuld. Wer noch guten Gewissens lebt, reist, verbraucht, der hat sich noch nicht genug über die Folgen informiert, wird einem vermittelt», so Kämmerlings.

Gott befreit von Schuld

Nicht die Gesellschaft, sondern Gott befreit von Schuld. Die christliche Lehre gehe davon aus, dass kein Mensch frei von Schuld sei und deswegen der Erlösung durch Jesus Christus bedürfe. Kämmerlings erinnert daran, dass Martin Luther bereits eine Selbstrechtfertigung des Menschen mit dem Verweis auf die göttliche Gnade verworfen habe. «Zwar ist ein Schuldeingeständnis Voraussetzung für die Vergebung der Schuld: Aber dennoch kann Busse nie aus eigener Kraft, sondern nur durch göttliches Entgegenkommen geschehen», bilanziert Kämmerlings seine Analyse.
 
Mehr zum Thema:
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Datum: 26.01.2012
Quelle: Christliches Medienmagazin pro / Die Welt

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