Kommentar
Schweizer Fernsehen attackiert «Missionare»
Pünktlich vor dem Christustag hat sich die Rundschau des Schweizer Fernsehens bemüht, die Teilnehmer harmloser Missionseinsätze als irregeleitete Militante hinzustellen.
Man köchelte altes ARD-Material und einen ZDF-Beitrag auf, der in Deutschland vehementen Einspruch von Missionswerken und evangelischen Kirchenleitern provoziert hatte.
Dass Missionare die rettende Tat von Jesus Christus Menschen auch dort weitersagen sollen und wollen, wo Machtstrukturen dieser Verbreitung des Evangeliums im Weg stehen, gehört zur Mission wie der Docht zum Wachs der Kerze. Denn Gott hat Jesus Christus, den Gewaltlosen, durch die Auferstehung zum Herrn über alle gemacht. Das Kommen seiner Herrschaft, die «nicht von dieser Welt ist», ist weltweit anzukünden.
Von der ersten Christengeneration bis heute sind einzelne Zeugen, die in der Konfrontation mit Gegenmächten nicht zurückwichen, zu Blutzeugen geworden; sie haben auch ihr Leben eingesetzt. Ärgerlicherweise ist das Wort «Märtyrer», das davon spricht, zurück nach Osten gewandert. Es wird nun für islamistische Gewalttäter verwendet, die sich mörderisch und selbstmörderisch, mit Sprengstoff und Kugeln, ins Paradies Allahs zu katapultieren meinen.
Von dieser pervertierten Verwendung des Worts fällt ein Schatten auf Christen, die den Auftrag zum völlig gewaltlosen Zeugnis von Jesus in islamischen Gebieten wahrnehmen - und mehr als Magenverstimmungen riskieren.
«Martyrium mit der Bibel in der Hand»
Der ZDF-Beitrag 2009 rückte die beiden Krankenschwestern aus Norddeutschland, die in einem Spital in Nord-Jemen arbeiteten und bei einem Ausflug gekidnappt und ermordet wurden, in die Nähe von extremistischen Islamisten.
Der Zürcher Oberländer Sektenexperte Georg Otto Schmid, der sich schon damals zum Interview bereiterklärte, kommentiert nun auch im heimischen Sender: «Martyrium ist durchaus etwas, was im freikirchlichen Bereich auch gesucht wird, nicht ein Martyrium mit der Waffe, aber Martyrium mit der Bibel in der Hand.»
Es fällt auf, dass der Experte ganz undifferenziert vom freikirchlichen Bereich spricht; prompt unterstellt SF im Titel des Online-Beitrags, dass «Freikirchen junge Gläubige anwerben» für «tödliches Missionieren».
Gekleistert
Die Autoren des Rundschau-Beitrags schiessen auf «Jugend mit einer Mission» (JMEM). Aus Videoschnipseln von «Jugend mit einer Mission» Deutschland und Aussagen von deutschen Geistesverwandten der beiden Krankenschwestern wird ein Vorwurf zusammengekleistert. Er lautet, auch das JMEM-Zentrum in Wiler bei Biel sende junge Christen als militante Kämpfer an die Missionsfront. Denn deren mehrmonatige Jüngerschaftsschulen schliessen Gruppenreisen ein, die regelmässig in ferne Länder gehen.Das Ganze wird unmittelbar vor dem nationalen Christustag in Bern inszeniert, an dem auch eine Tanzgruppe von JMEM auftritt. Der Wiler-Leiter Heinz Zenger kommt zwar auch zu Wort, doch Georg Otto Schmid qualifiziert alles ab als «missionarische Arroganz».
Nun können junge und fitte Leute in allerlei Extremsportarten Gesundheit und Leben aufs Spiel setzen; damit punkten sie auf der postmodernen Skala der Sensationen. Christen aber, die von Jesus dort erzählen, wo das Zeugnis vom Gekreuzigten und Auferstandenen unterdrückt wird und darum die Ausnahme ist, werden Extremisten gleichgestellt.
Verantwortung und Image
JMEM tut - und das ist hier auch festzuhalten - allerdings zu wenig, um diesem diffamierenden Anwurf vorzubeugen. Manche Gruppenreisen gewichten den Faktor Exotik und Abenteuer hoch; die Teilnehmenden scheinen unzureichend vorbereitet. Vor allem werden Mühen und Schwierigkeiten im fremden Terrain (Jeep im Wüstensand) mit einer fragwürdigen Terminologie des geistlichen Kampfs unnötig aufgeladen. Den eingespielten Videoschnipseln von JMEM Deutschland kann man dies entnehmen. In den wenigen Sätzen, die im Beitrag gesendet werden, bestreitet das Zenger auch nicht.
In Deutschland stellten sich führende Vertreter der evangelischen Landeskirchen vor die Missionare und verteidigten die Berechtigung der (gewaltlosen!) Mission in Zonen religiöser Spannung. Dasselbe müsste sich auch südlich des Rheins von selbst verstehen. Oder wollen die Reformierten Mission noch weiter schwächen, indem sie sie nur dort zulassen, wo keinerlei Ablehnung zu erwarten wäre?
Evangelisch Farbe bekennen
Den Verantwortlichen der reformierten Landeskirchen, die den Christustag mittragen, winkt die Chance, hier evangelisch Farbe zu bekennen. Auch gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Im «Rundschau»-Beitrag wird die einzige nationale evangelische Grossveranstaltung seit Jahren mit dem unzutreffenden Etikett «freikirchlich» belegt - als könne man sie derart marginalisieren, als wäre so das Nein zu einer angemessenen Abbildung gerechtfertigt.
Dabei zeigen einige zehntausend reformierte und freikirchliche Christinnen und Christen aus allen Ecken des Landes an diesem Tag, dass sie zusammengehören - so verschieden sie auch sind. Und liefern damit ein eidgenössisches Signal für Bern.
Zum Thema:
Erklärung deutscher Missionsorganisationen nach dem ZDF-Beitrag
