Christian Wulff triumphiert
Kurator von «Pro Christ» wurde Bundespräsident
Christian Wulff (CDU), setzte sich im dritten Wahlgang gegen Herausforderer Joachim Gauck durch. Politiker und Kirchenführer gratulierten ihm, auch wenn die Wahl als eine Schlappe für Kanzlerin Angela Merkel gewertet wird.
Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff ist zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden. Über 9 Stunden dauerte die Sitzung der Bundesversammlung am Mittwochabend in Berlin. Dann erhielt der 51 Jahre alte CDU-Politiker im dritten Wahlgang 625 der 1240 gültigen Stimmen.
Für seinen Herausforderer Joachim Gauck, von SPD und Grünen nominiert, stimmten 494 Delegierte, 2 Stimmen waren ungültig, 121 Delegierte enthielten sich, darunter insbesondere die der «Linken». Zuvor war deren Kandidatin Luc Jochimsen gescheitert, und die Partei wollte sich anschliessend weder für Wulff noch für Gauck erwärmen.
Wahlmarathon
Im dritten Wahlgang, in dem die einfache Mehrheit gereicht hätte, erhielt Wulff am mit 625 Stimmen sogar die absolute Mehrheit. In den ersten beiden Wahlgängen war Wulff an dieser Hürde gescheitert. Dies wurde als herbe Schlappe für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewertet, «Focus» schreibt von einem «schweren Rückschlag».«Wenn ich daran denke, dass es neun Jahre dauerte, bis ich im dritten Anlauf niedersächsischer Ministerpräsident wurde, war diese Bundesversammlung heute relativ kurz», sagte Wulff in seiner Ansprache. Er werde versuchen, den Erwartungen derer gerecht zu werden, die ihn nicht gewählt hätten.
In seiner Amtszeit wolle er sich für innere Einheit, die innere Zusammenarbeit und ein besseres Verständnis einsetzen, etwa im Miteinander von Ost und West. Für Wulff wie auch für Gauck gab es minutenlangen tosenden Applaus nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses.
Anwalt der Bürger
Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) lobte Wulff als Brückenbauer, der die Menschen zusammenführe. CSU-Chef Horst Seehofer sagte, «Wulff wird ein Anwalt der Bürgerinteressen in Deutschland sein».Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt meinte, Wulff sollte bei den Menschen «Lust auf Demokratie» wecken und das Vertrauen zwischen Volk und Volksvertretern stärken. Er solle dabei «keine der beiden Seiten schonen und sich weder mit Politikverdrossenheit und Parteienschelte bei der Bevölkerung beliebt machen noch erweitertes Sprachrohr von Parlament und Regierung sein». Katrin Göring ist Präses der EKD-Synode. Sie äusserte sich in der Wochenzeitung «Rheinischer Merkur».
Aufgrund des vorzeitigen Rücktritts von Horst Köhler vom Amt des Bundespräsidenten Ende Mai tritt Wulff das Amt per sofort an. Zuvor hatte Wulff sein Amt als niedersächsischer Ministerpräsidenten niedergelegt.
Kirchen gratulieren
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch verwies in seinem Glückwunschschreiben auf Wulffs politische Erfahrung. Somit sei er geübt, grosse Herausforderungen zu bewältigen. «Ihr politisches Gespür und die besondere Fähigkeit, zuletzt als Ministerpräsident von Niedersachsen, den Menschen nahe zu sein, werden sicherlich mitbestimmen, wie Sie Ihren Aufgaben
nachkommen», heisst es in der Gratulation der Bischofskonferenz.
Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, gratulierte. Er schrieb, er sei sich sicher, «dass Sie in Anbetracht der enormen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen mit grossem Verantwortungsbewusstsein die richtigen Impulse für eine friedvolle Zukunft und ein solidarisches Miteinander in unserer Gesellschaft geben werden». Als Repräsentant des organisierten deutschen Laienkatholizismus freue er sich, dass der neue Bundespräsident Mitglied der katholischen Kirche ist.
Kurator von «Pro Christ»
Seit 2005 amtet Wulff als Kurator der Aktion «Pro Christ», einer regelmässigen evangelistischen Grossveranstaltung. Deswegen wurde er vor der Wahl kritisiert. Sollte er zum Bundespräsidenten gewählt werden, würde bei sämtlichen Mitgliedschaften geprüft, ob sie fortgeführt würden, hatte Wulff im Vorfeld gesagt und «Pro Christ» verteidigt. Zum dessen Kuratorium gehören ferner auch die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und die ehemaligen Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, Günther Beckstein (CSU) und Erwin Teufel (CDU).
Quelle: Livenet / epd


