Indonesien: Islamisten bedrängen Christen
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Eine kleine christliche Gemeinde feiert Gottesdienst auf freiem Feld. |
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Auf der indonesischen Hauptinsel Java versuchen intolerante Muslime die Schliessung von Gemeinden zu erzwingen. Die Behörden geben oft nach.In Bandung im Westen Javas hat ein Richter Ende Februar allerdings die Baubewilligung für eine katholische Kirche bekräftigt, nachdem sie erteilt und dann auf Druck von Islamisten hin zurückgezogen worden war. Die Kirche klagte gegen die Behörde in Purwakarta, die ein Bauvorhaben im Dorf Cinangka abgeblockt hatte, und der Richter gab ihr Recht. Auswärtige Islamisten von der «Front der Islam-Verteidiger» (FPI) hatten die lokale Behörde und die Dorfbewohner (60 müssen mit Kopie ihrer Identitätskarte ihre Einwilligung für einen Kirchenbau geben) eingeschüchtert. Die katholische Kirche hatte alle Bedingungen für einen Bau erfüllt und nach Erteilung der Bewilligung gleich mit dem Bau begeonnen. Die Gemeinde zählt laut dem Informationsdienst Compass Direct über 1‘000 Mitglieder; sie hat sich bisher im Lager einer Stahlfabrik versammelt. Die Muslime haben im Neubaugebiet zwei grosse Moscheen und in jeder Fabrik eine Gebetshalle. Demo für Kirchenschliessung Am 15. Februar demonstrierten Hunderte radikaler Muslime für die Schliessung der evangelischen Galiläa-Gemeinde im Stadtteil Galaxy von Bekasi City in West-Java. Die Gemeinde hatte seit 1992 mit Genehmigung der Behörden und der Anwohner Gottesdienst gehalten. Der FPI-Sprecher Murhali Baeda versicherte der staatlichen Nachrichtenagentur, «mehrere Kirchengebäude» würden ohne «komplette Bewilligung» genutzt. Darauf wiesen zahlreiche Banner in der Umgebung hin. Bei der Demo riefen die Muslime, von 16 Organisationen aufgeboten, «Kirchen sind nicht erlaubt in Galaxy» und warnten auf Posters vor der «Christianisierung von Galaxy». Laut dem Pastor der Galiläa-Kirche waren 95 Prozent der Demonstranten Auswärtige. Unterstellungen
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Die Cathedrale in Bandung. |
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Baeda behauptete gegenüber Compass Direct, die Christen verteilten Nahrungsmittel «als Anreiz, Jesus als ihren Herrn zu bekennen». Ein anderer Muslim kritisierte nächtliche Lobpreisveranstaltungen; dadurch würden Leute im Schlaf gestört. Der Galiläa-Pastor verneinte, dass die Kirche mit Lebensmittelverteilungen die Einheimischen zu «christianisieren» beabsichtige. Man habe in der Umgebung nie Grundnahrungsmittel verteilt. Unter islamistischen Druck hatten regionale Behörden im Januar die Schliessung von evangelischen Kirchen in Sepatan (Provinz Banten) und in Pondok Timur bei Bekasi auf Java verfügt. Die Leiter der Baptistengemeinde von Sepatan wurden vorgeladen; sie weigerten sich zu unterschreiben, dass sie alle Gottesdienste stoppen würden. Im Dezember hatten Muslime mit Bannern gegen «unkontrollierte Kirchen» protestiert. Dass die Baptisten alle nötigen Bewilligung erlangt haben, hilft nicht bei immer stärkerer Agitation der radikalen Muslime. Gegen Kinderweihnacht Am 19. Dezember hatten 30 Muslime gegen die Kinderweihnacht der Gemeinde demonstriert. Nach Weihnachten reiste eine grosse Menge von FPI-Anhängern an und verlangte, die Gottesdienste einzustellen. Darauf verhängte die Polizei ein Versammlungsverbot; ein Treffen der Gemeindeleiter mit Beamten brachte keine Lösung. Die Gemeinde war seit 2006 bedrängt worden. Am 20. September 2009 hatten Feinde die Kirche in Brand gesetzt. Die Polizei verzichtete auf Nachforschungen. Abfackeln auf Sumatra In einem Dorf im Norden Sumatras wurden zwei im Bau befindliche Kirchen am 22. Januar angezündet. Pfr. S. Lubis von der Huria Kristen Batak Protestan Church (HKBP) sagte, an dem Tag sei alles ruhig gewesen. Plötzlich seien mehrere hundert Personen auf Töffs aufgefahren und hätten die leere Kinder in Brand gesetzt. «Danach verschob sich der Mob 200 Meter und brannte die leere Pfingstkirche nieder.» Lubis kannte die Täter nicht; auch die Nachbarn hätten niemand erkannt. Lubis' Gemeinde hatte sich am Ort seit 1970 versammelt und 1981 eine provisorische Kapelle errichtet. Fünf Jahre hatten die Christen vergeblich um eine Baubewilligung gekämpft, als sie dann zu bauen begannen, stoppten Muslime aus der Umgebung den Bau und erzwangen den Abbruch. «Auswärtige Agitatoren haben die Einheimischen dazu gebracht, dass sie die Kirche ablehnen», sagte Lubis dem Info-Dienst Compass. Der Abbruch hatte am 13. Januar begonnen, doch erfolgte er für die Fanatikern nicht rasch genug. Die Brandstiftung hat viele der Gemeindeglieder in Schock versetzt; manche sind geflohen. Christen im Visiser Johnny Simanjuntak vom Indonesischen Menschenrechtskomitee bezeichnete die Vorgänge als Beleg dafür, dass die Regierung im Schutz der Religionsfreiheit für Minderheiten versagt. Ein islamisches Forschungsinstitut hat für 2009 35 behördliche Verstösse gegen die Religionsfreiheit (davon 28 gegen Christen) und 93 Vorfälle dokumentiert, in denen Muslime gegen Christen in ihrer Umgebung intolerant vorgingen. Am meisten Vorfälle gabe im Westen Javas; es folgten Ostjava, die Provinz Jakarta und Zentraljava. Laut dem Bericht wird namentlich in Westjava gegen Christen und Juden gehetzt - die Mob-Gefahr nimmt zu. Die Muslime stellen etwa 88 Prozent der Bevölkerung Indonesiens von gegen 240 Millionen. Protestanten zählen etwa sechs und Katholiken drei Prozent.
Quellen: Livenet / Compass Direct
Autor: Peter Schmid
Datum: 09.03.2010
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