Ein paar Gedanken zu „Das Kriegsgebet der Mächtigen“

Ich habe viel Freude an der Zurückhaltung und den hinterfragten Stellungsnahmen auf „livenet“ zum Irakkrieg gehabt.

Zu dem Artikel „Das Kriegsgebet der Mächtigen“ habe ich den Eindruck, sollte man Stellung nehmen.

Auch wenn Bush den Namen Jesus nicht erwähnt, kann man davon ausgehen, dass es Jesus ist, der für ihn hinter dem Gott steht dessen Wille er sucht. Somit gibt es gar keine Möglichkeit mehr das Gebet von Saddam Hussein und George Bush zu vergleichen. Jesus Christ ist der einzige Name in dem Gott sich den Menschen offenbart. Saddam Husseins Gebet muss ich nicht hinterfragen es kann durchaus den Mächten der Finsternis und den bösen Weltbeherrschern dienen. Seine Blutspur, und sein Hass gegen Gottes Volk sind eine deutliche Sprache. Über George Bushs Gebete sollten wir ruhig nachdenken.

Grundsätzlich bin ich mit der dünnen Spur von einigen wenigen Menschen einverstanden die den Frieden und die Gewaltlosigkeit leben, auch ich suche diesen Weg und vermeide deshalb auch die gewaltsame Friedensdemonstration. Aber ich glaube nicht, dass dieser Weg, das wesentliche Anliegen Jesu wiederspiegelt und schon gar nicht das einzige. Die Soldaten, die zu ihm kamen, wurden nur angehalten mit dem Sold zufrieden zu sein, und nicht den Job zu quittieren.

Ich denke wir müssen verstehen, dass das Anliegen Jesu ein spirituelles ist, das sich in gelebter Liebe am stärksten ausdrückt, dann hören wir auf den Nächsten nach unsern eigenen Vorstellungen zu beurteilen. Liebe dem Schwachen und Hilflosen gegenüber kann, obwohl es sicher nicht die Regel ist, durchaus Gewalt gegenüber dem Bösen bedeuten. Sonst müssten wir als Christen alle Gefängnisse öffnen.

Georg Bush ist Staatsmann und die Bibel zeigt durchaus, dass Gott Staatsmänner zu seinem Zweck beruft. Eben dazu habe ich Dich berufen, sagt er von Pharao, dem Kindermörder und Sklaventreiber. Und das könnte durchaus auch für Saddam Hussein gelten. Diese Geschichte muss ich nicht verstehen, das ist die Aufgabe derer die Gott zu dieser Aufgabe berufen hat und auch die müssen diese Aufgabe nicht von Gott her verstehen.

Sind wir also in Bezug auf die Weltgeschichte zum Fatalismus verurteilt?
Ganz Stumm müssen wir nicht sein. Wenn das Wesentliche in der innern Absicht und nicht in rituellen Handlungen liegt, ist es durchaus möglich die Sache verhältnismässig zu beurteilen. Die Erfahrung mit Hitler hat gelehrt, dass es nicht klug ist, Leute diese Schlages, also ganz konkret einen Saddam Hussein gewähren zu lassen. Ich weiss, dass gewisse Kreise Bush nur für einen gerissenen Geschäftsmann halten. Aber meine Bibel sagt auch, dass dem Reinen alles Rein und dem Unreinen alles Unrein ist. Ich glaube dass George Bush überzeugt ist, vor Gott sein Amt nach bestem Wissen und Gewissen auszuüben, und diese Überzeugung macht ihn glauben, dass Gott mit seinem Segen auch darüber wacht. Ich denke in einem gewissen Sinn spiegelt sich in seinem Verhalten das einzige wieder, das auch wir tun können und müssen. Das was uns vor Gott als richtig erscheint, mit dem persönlichen Opfer zu bezahlen. Ich glaube, dass Bush mit jedem Opfer, das dieser Krieg kostet, tatsächlich leidet.

Bevor wir selbst jemanden Verurteilen, den wir nicht einmal persönlich kenne, muss ich mich doch selbst Fragen, was ist eigentlich die Triebfeder meiner Handlung gerade jetzt, gestern, heute, morgen, ist es mein persönlicher Profit, mein Geltungsbedürfnis, meine eigene Bequemlichkeit - oder die Liebe zu dem mir von Gott zur Seite gestellten Nächsten?

Link zum besprochenen Artikel:
http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/191/7510/

Datum: 09.04.2003
Autor: Kurt Stingelin