Asyl: Recht und Gerechtigkeit in Einklang bringen
Es ist überhaupt nicht so, dass die Bergbauern und die Working Poor keine Lobby hätten! (So wie das die Autorin schreibt.) Nicht dass ich das all jenen nicht gönnen würde! Die Bergbauern zum Beispiel haben eine starke Bauernlobby im Parlament, die Berghilfe, Winterhilfe, der Bauernverband, die LOBAG, zinslose Darlehen für Bauten etc.. Die Working Poor haben mit der SP, den Grünen, den Gewerkschaften etc. ebenfalls eine starke Lobby. Die Frage stellt sich, wer denn die Lobby des Mittelstandes ist.
Im Übrigen geht der Text vor allem auf die allgemeine Situation in der Asylthematik und den Frust in der Bevölkerung ein. Aus dieser Sicht ist er sehr gut abgefasst. Auf die Auswirkungen einer Annahme der SVP-Asylinitiative (mit der faktischen Abschaffung des Asylrechts) geht er m. E. zu wenig ein. Eine christliche Beleuchtung der faktischen Abschaffung des Asylrechts, wie das die SVP wollte, hätte dem Text gut getan und ihn abgerundet. Auch ist es für mich fraglich, dass man dem Rechtsaussenpolitiker Müller auf einer christlichen Webside eine Plattform bietet. Wir Christen hätten doch mit den Herren Waber, Donzé, Aeschbacher, Schmid, Studer und Messmer (ev. kenne ich nicht alle) auch eigene Leute.
Dieter Rohrbach, Frutigen
Leserbrief 2:
Echte und unechte Flüchtlinge?
Herzlichen Dank für den Beitrag über die Asylinitiative und die biblischen Betrachtungen. Das Thema ist wirklich sehr vielschichtig und kann nicht mit einfachen Methoden gelöst werden.
Was mir in der Betrachtung stört, ist die klassische Einteilung in "echte" und "unechte" Flüchtlinge. Die Begriffe werden zwar in der heutigen Politik häufig gebraucht, aber entsprechen sie wirklich dem biblischen Begriff von Flüchtling.
Wir sollten unbedingt daran denken, dass die Bibel auch von Wirtschaftsflüchtlingen erzählt (z.B. Abraham, Jakob u.v.m.), die aufgrund von Hungernöten auswandern mussten. Auch sie sind "echte" Flüchtlinge.
Ich denke, es wäre wichtig, hier nicht auf die klassische Schine von "echten" und "unechten" Flüchtlingen aufzuspringen. Jeder Mensch, der aufgrund unhaltbarer Zustände seine Heimat verlassen muss, ist ein Flüchtling. Die christliche Antwort m.E. lautet hier also Barmherzigkeit. Es gibt doch in unserem Land schon genügend Kräfte, die unser Land vor zu hohen Ausgaben im Sozialbereich "schützen" wollen, als dass wir Christen auch noch in dieselbe Kerbe schlagen müssten.
Tom Hertig, Bern
Leserbrief 3:
Für den Artikel vom 04.12.02 danke ich Ihnen bestens. Ich finde es gut, dass dadurch die "Stimmung im Volk" skizziert wird. Auch die biblischen Hinweise sind ansprechend.
Einiges gefällt mir allerdings weniger: zB der Begriff "nicht assimilierte Elemente" - damit sind Menschen gemeint, die Mühe haben, sich bei uns einzuleben. Dieser Begriff gehört ins "Wörterbuch des Unmenschen".
Unter dem Stichwort "falsche Grosszügigkeit" werden uns eine Menge Zahlen aufgetischt. Ich finde es gut, sie zur Kenntnis zu nehmen. Was ist aber falsch dran? Diese Frage wird nicht sinnvoll beantwortet. Sprechen solche Zahlen für sich selber?
Was für eine Autorität hat Grossrat Philipp Müller? Von welcher Partei ist er? Was sollen seine polemischen Aussagen?
Unterstützungsleistungen. Ich begrüsse eine genaue Auflistung. Allerdings ist der Hinweis, dass gewisse Schweizer ein Einkommen von Fr. 3000.-- rein polemisch gebraucht:
1. Es wird hier kein Versuch unternommen, wie bei den Asylbewerbern, klar zu definieren, wer gemeint ist und ins Detail der Ausgaben zu gehen.
2. Leute wie Herr Müller zitieren die Fr. 3000.-kleine Einkommen von Schweizern dann, wenn es in ihr Konzept passt. Vermutlich aber setzen sie sich nie dafür ein, dass Schweizer mit einem kleinen Einkommen zu besseren Bedingungen angestellt werden, dh dass sie einmal politisch den Arbeitgebern zu Leibe rücken würden.
In der gleichen Richtung geht die Bemerkung von Herrn Müller, dass man gescheiter in den Herkunftsländern der Asylbewerber für bessere Bedingungen sorgen sollte. Sind Herr Müller und seine Freunde wirklich bereit, sich für höhere Beiträge in der Entwicklungshilfe einzusetzen?
Leider werden von konservativen Politikern immer dann die Schwachen vorgeschoben, wenn sie keine Argumente mehr haben, sozusagen als Feigenblatt, um das eigene Unvrmögen und Unwilligkeit zu echter Hilfe zu decken.
Mit dem letzten Abschnitt - der Sammlung von Bibelzitaten, bin ich weitgehend einverstanden. Allerdings ist die Andeutung der Vermischung von "Ephraim mit fremden Völkern" etwas unheimlich. Was heisst das für uns Schweizer? Aus welchem Grund ist es nicht erwünscht, dass wir hochgradig reinen Schweizer uns mit minderwertigen Ausländern "vermischen"? Wo ist da die Grenze zum Rassismus? Was bringen solche Andeutungen?
Tragisch ist der letzte Satz: "... wenn den echten Flüchtlingen diese Hilfe gar nicht zuteil wird". Leider ist der Leser durch diesen langen Artikel in keinster Weise darauf vorbereitet, echte von falschen Flüchtlingen zu unterscheiden. Hier ist der Kern der Asyl-Initiative auszumachen: Wenn sie angenommen worden wäre, hätte man gerade die "echten Flüchtlinge" in Zukunft nicht mehr erfassen können, weil niemand mehr sie hätte kennen lernen können.
Damit komme ich zu einer der ersten Aussagen in dem Artikel zurück: "Es liege an der Justiz, für Recht und Ordnung zu sorgen und Schweizer wie Asylbewerber mit den gleichen Ellen zu messen." Die Justiz kann nur einen verhältnismässig kleinen Beitrag leisten, und da soll sie auch aktiv werden. Das sieht nun so aus, als ob alles an der Justiz liege. Das kann ja nicht stimmen: die Fürsorge mit ihrem besonderen Auftrag muss aktiv werden, die Kirchen und Gemeinden mit ihren geistlichen Möglichkeiten, und jeder von uns, der/die mit Asylbewerbern zu tun bekommen und uns entsprechend verhalten sollen.
Was mir an der vorliegenden grossen Arbeit zu denken gibt, ist die Vermischung von biblischen Wahrheiten mit politisch-ideologischen Behauptungen. Darum finde ich diesen Beitrag nur bedingt hilfreich für eine Lösung der Frage, wie "Recht und Gerechtigkeit im Asylbereich in Einklang gebracht werden können."
Werner Ninck, Bern
Leserbrief 4:
"Für die Einheimischen wie die Fremden, die bei euch leben, soll ein und dasselbe Recht gelten."
Ich bin kein Spezialist für Altes Testament, aber soweit ich die Geschichte des alten Orients kenne, war das für die Zeit eine einzigartige Regelung im Bezug auf die Ausländer. Israel hatte ja schon erfahren, was es heisst, in Ägypten Ausländer zu sein; sie wurden ausgenutzt und unterdrückt.
Ich verstehe diesen Vers so, dass Gott uns gebietet, die Ausländer so zu behandeln wie uns selber, weil wir von uns aus eher die Tendenz haben, sie zu benachteiligen.
Wenn heute ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung das Gefühl hat, für die Asylbewerber (die übrigens nur einen kleinen Teil der gesamten Ausländerzahl ausmachen) gelte bei uns ein besseres Recht als für uns Schweizer, ist das ein ernstzunehmendes Problem. Diese Meinung, die auf der Angst beruht, wir könnten zu kurz kommen, kann aber nicht dadurch bekämpft werden, dass ihre Lebensbedingungen immer mehr verschärft werden (Arbeitsverbot, Sozialhilfe, die unter dem Existenzminimum liegen...).
Vielmehr braucht es den Austausch und das Kennenlernen zwischen Schweizern und Asylbewerbern. Natürlich ist das kein einfacher Anspruch. Die kulturellen und sprachlichen Differenzen hindern eine einfache Kommunikation. Aber ich glaube, Gott will uns dabei helfen, wie er, uns dem Fremden zu öffnen und ihn von Herzen aufzunehmen.
Hier können wir als Kirche eine Vorbildrolle für unsere Gesellschaft spielen. Wir brauchen keine Angst zu haben, weil wir wissen, dass Gott für uns sorgen wird.
Samuel Ninck, Genf
Antwort der Schreiberin:
Antwort der Schreiberin:Ich finde es gut, dass zu diesem Thema verschiedene Meinungen geäussertwerden. Ich habe nie behauptet mein Artikel betrachte alle Aspekte desAsylwesens und sei total abgerundet. Mit einem Artikel kann man diesesumfassende Thema gar nicht abhandeln. Tatsächlich habe ich nur einen Aspektversucht zu beleuchten: den der Gerechtigkeit. Dass alle mit denselben Ellengemessen werden - Fremde wie eigene und untereinander. Dass Missbrauchvermieden und unterbunden sowie kriminelle Handlungen entsprechend bestraftwerden!- und zwar alle gleich!
Beispiele für Missbrauch
Wenn Asylanten sich auf Kosten der Sozialhilfe im Seedamm-Center dieteuersten Marken-Hemden aussuchen, die sich die sie bedienende Verkäuferinfür ihren Mann nie leisten könnte. Solcher Missbrauch macht die Leute zornigund sollte unterbunden werden. Wenn der junge Asylant mit dem Taxi zum Arztfährt auf Kosten des Staates, während die alleinstehende Mutter sich mitKinderwagen und Kleinkindern ins Tram kämpft und völlig erschöpft mit denkranken Kindern beim Arzt ankommt.
Hilfe vor Ort
Tatsächlich bin ich der Meinung, dass viele notleidende Familien inkriegsgeschädigten Ländern oder unter Verfolgung gar nicht das Geld und dieKraft aufbringen bis hierher in die Schweiz zu gelangen, um Hilfe zuempfangen. Sehr viel Hilfe - noch viel mehr Hilfe sollte vor Ortgeleistet werden - und zwar so, dass sie Arbeitsplätze schafft. Dasist meiner Meinung nach die nachhaltigste Hilfe. Damit ist aber auch jederEinzelne von uns gefordert, indem er einen Teil seines Überflusses abgibt anNotleidende. Es gibt viele Möglichkeiten jemanden in der Not einen Dienst zuerweisen und ihn glücklich zu machen. Dazu braucht es nicht immer Geld!
Flüchtlinge in Not:
Ein junger Mann aus der Türkei oder wo immer hört, dass man in der Schweizlebt wie im Schlaraffenland. Man werfe einfach seinen Pass fort, reise perSchlepper über mehrere Länder ein und behaupte, man werde verfolgt.Dann werde man in der Schweiz nett empfangen, bekomme sofort neue Kleider,Essen, Nahrung und eine Unterkunft. Man kann es diesen Asylsuchenden nicht verübeln, diesem Ruf gefolgt zu sein. Wer will nicht im Schlaraffenland leben!
Leider stellt sich dann für den "sogenannten Flüchtling" heraus, dass er ineiner Massenunterkunft untergebracht wird und nicht sofort arbeiten kann. Erwird unzufrieden. Sein Traum von Reichtum und Erfolg zerbricht. Er blamiertsich zu Hause. Also kommt man auf andere Gedanken. Wie schnell ist dann derSchritt in die Kriminalität getan. ... In diesem Fall spricht man von "unechten" Flüchtlingen - den sogenannten "Wirtschaftsflüchtlingen".
Sozialarbeiter unter Druck
Nun muss ich aber wieder die Sozialarbeiter/innen in Schutz nehmen. Denn bis vor kurzem wurde ihre Arbeit an der Zufriedenheit der Asylbewerber gemessen und taxiert. Meiner Meinung nach ein sehr kontraproduktiver Ansatz. Wie kann sich so ein Sozialarbeiter gegen die "überrissenen" Wünsche und Ansprüche der Asylsuchenden abgrenzen. Ich habe diesen Umstand aufgegriffen und dem Regierungsrat in Schwyz zur Kenntnis gebracht. Auch dieser kann nicht alles wissen. Aber die Instrumentarien sollten vielleicht einmal auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.Keine umfassende Antwort. Aber ich hoffe, damit wird der Artikel etwasverständlicher.
Mit freundlichen Grüssen
Antoinette Lüchinger